Chronische Borreliose: Ist sie real? Was E-Mail-Veröffentlichungen verraten … Teil 6

Dose - Mogelpackung“Ich werde Euch alle vermissen – Euch Wissenschaftler”, sagte Phillip Baker, Borreliose-Chef der CDC, “aber nicht die Borreliose-Bekloppten.” Eine Aussage, dokumentiert in einer E-Mail, die nun im Rahmen des Informationsfreiheitsgesetzes an die Öffentlichkeit drang, die leider den traurigen Stand der Dinge zusammenfasst. Diese kleine Serie, die zeigt, welchen immensen Ressentiments all jene ausgesetzt sind, die es wagen, sich gegen den medizinischen Mainstream zu stellen, wird mit diesem letzten Teil nun beendet. Hier finden Sie die anderen Teile der Serie: 1, 2, 3, 4, und 5.

Die E-Mails, die inzwischen öffentlich wurden, zeigen, wie hart Wissenschaftler um die staatliche Förderung kämpfen. Sie zeigen aber auch ihre unterschiedlichen Wertvorstellungen. Ed McSweegan, einst bei den NIH für das Borreliose-Programm verantwortlich und der Untätigkeit bezichtigt, nennt den Kampf um die angemessene Diagnose und Therapie der Borreliose “Krieg”. Im Februar 2007 schreibt er u. a.: “… einen Krieg um bewusst falsche Informationen. Es wird Zeit, zurück zu schießen.”

Durland Fish, ID$A-Autor (Yale), schreibt im Oktober 2007: “Diese Schlacht kann nicht an einer wissenschaftlichen Front gewonnen werden. Wir benötigen eine sozialpolitische Offensive, aber wir sind in der Minderzahl und wir sind geschlagen.”

2006 bittet Phil Baker Mrs. Johnson zu einem Treffen, in dem “sehr schwierige und umstrittene Dinge” besprochen werden müssen. “Wir können das nicht tun, wenn jemand von der ILADS dabei sein würde.”

In einer Antwort auf eine Frage in einem Journal, sagt Baker, die Leitlinien der “Lyme Society”, die 2009 auslaufen und nicht mehr zur Veröffentlichung überprüft würden, seien fehlerhaft, weil sie es versäumen, chronische LB zu definieren oder eine Evidenz nachzuweisen, dass eine antibiotische Langzeittherapie wirke.

Er wurde auch gefragt, ob Ärzte mit signifikanten Behandlungserfahrungen zu dem Treffen eingeladen würden. Antwort: “Nur Einzelne mit gut dokumentierter Erfahrung und Publikationen (peer-reviewed) zur Entwicklung diagnostischer Methoden und/oder Bewertung iher Stärken und Limitationen werden zur Teilnahme eingeladen.” “Ich habe keine Zweifel, dass wir die richtigen Personen eingeladen haben.”

Bakers Allianz mit der ID$A hielt auch nach seiner Pensionierung (2007) von den NIH an. Im Mai 2008 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der ALDF ernannt, einer Non-profit-Organisation, in der vier von sieben Vorstandsmitgliedern ID$A-Leitlinienautoren sind.

Auf der Website der ALDF ist auch eine Beschreibung der Konferenz über Borreliosetests von 2007 zu finden. Die Wissenschaftler seien sich einig gewesen, dass die Standard-Borreliose-Tests (ELISA, Westernblot) grundsätzlich sehr gut funktionieren. Leider entspricht diese Aussage definitiv nicht den Erfahrungen, die viele Borreliose-Ärzte und ihre Patienten mit diesen Tests machen.

“Es ist nur eine relativ kleine Gruppe, die das alles kontrolliert”, sagt Dr. Cameron, Ex-Präsident der ILADS. “Dieses System erhält den Löwenanteil der Forschungsmittel, die zu den immergleichen Wissenschaftlern kanalisiert werden, die dann die Evidenz aufwerten.”

Cameron und andere Borreliose-Ärzte hatten 2009 auf eine Überprüfung der ID$A-Borreliose-Leitlinien gehofft und auf ein Überdenken der ID$A-Sicht im Hinblick auf chronische Borreliose und auf eine Berechtigung für eine längere, meistens orale, antibiotische Therapie. Diese Hoffnung wurde auch durch die Blumenthal-Initiative geweckt (siehe auch: http://www.verschwiegene-epidemie.de/2011/10/borreliose-neue-hoffnung-fur-borreliose-patienten/) Stattdessen jedoch stellte die ID$A eine Kommission zusammen, die die Leitlinien größtenteils bekräftigte.

ILADS wird ihre Leitlinien für Lyme-Borreliose überarbeiten. Ein neues Gesetz wurde dem Kongress vorgestellt. Es sieht den Einsatz einer Projektgruppe für eine Borreliose-Strategie vor, ähnlich wie jenes Gesetz, gegen das Baker kämpfte. Insgesamt steigt der Druck im Kessel, siehe auch: http://www.verschwiegene-epidemie.de/2013/06/borreliose-der-druck-im-kessel-steigt/

Die CDC-Leitlinien sind Teil des Problems”, sagen Mitglieder des Repräsentatenhauses wie Chris Gibson und andere. Regelmäßig werde er am Arm gepackt und man sagt ihm, was für eine Geißel Lyme-Borreliose für das Gesundheitswesen sei. “Das”, so Gibson, “ist die Realität.”

B. Jürschik-Busbach © 2013

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Ein Kommentar zu Chronische Borreliose: Ist sie real? Was E-Mail-Veröffentlichungen verraten … Teil 6

  1. Thomas H. meint:

    Liebe Birgit, ein herzliches Danke schön!

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