Borreliose – das Kunststück, die Diskussion um Jahre zurück zu werfen …

Pinocchio_paradoxVersucht die ID$A den Diskurs rund um die Lyme-Borreliose wieder um Jahre zurück zu drehen? Dieser Eindruck liegt nahe, liest man beispielsweise, was Phillip Baker, für 10 Jahre Lyme-Borreliose-Programmleiter der NIH und nun Direktor der American Lyme Disease Foundation (ALDF) propagiert. Die auf den den ersten Blick wie eine Patientenorganisation aussehende ALDF entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine Ansammlung von Mitgliedern des ID$A-Leitlinien-Gremiums und einiger Geschäftsleute. Cave!

Baker: “In einer Zeit, in der Fehlinformationen über Lyme-Borreliose wild wuchern, bin ich stolz, im Interesse der öffentlichen Gesundheit, der ALDF vorzustehen.”

Er veröffentlichte einen Artikel im American Journal of Medicine, in dem er sich über die unbegründeten Aussagen zu “chronischer Borreliose” von einigen Aktivisten beklagt, die die Ergebnisse des medizinischen Mainstreams in Frage stellen. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0002934312008753 Eine Veröffentlichung, die auch durch die deutsche Fachpresse geistert, siehe: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/zecken/article/830274/fehldiagnose-neun-haeufigsten-irrtuemer-lyme-borreliose.html

Wer ist Dr. Phil Baker?

Dr. Phil Baker überwachte vor seinem Ruhestand die klinischen Studien der NIH zur Lyme-Borreliose, u. a. die Klempner-Studie und die Embers-Studie. Klempners Schlussfolgerung: Chronische Borreliose gibt es nicht und eine verlängerte antibiotische Therapie ist unwirksam. Diese Studie wurde 2004 veröffentlicht. Siehe dazu: http://www.verschwiegene-epidemie.de/2012/08/borreliose-fatale-fehler-in-der-klempner-studie-neue-analyse-veroffentlicht/

Embers kommt zu dem Schluss, dass eine persistierende Infektion, die einer anti-infektiven Behandlung widerstehen kann, möglich ist. Diese Studie wurde fast 10 Jahre später veröffentlicht. In der Zwischenzeit nutzte die ID$A die Klempner-Studie um Patienten die Therapie einer chronifizierten Borreliose unmöglich zu machen. Niemand erwähnte, dass die Embers Studie noch ausstand, obwohl sie speziell als Begleitstudie zur Klempner-Studie entworfen worden war.

Siehe auch: http://www.verschwiegene-epidemie.de/2013/02/borreliose-die-embers-affenstudie-und-ihr-einfluss-auf-die-idsa-leitlinien/

Dr. Baker erwähnte mit keinem Wort, dass die Embers-Studie noch ausstand. Kein Wort darüber, dass man den Schlussfolgerungen aus der Klempner-Studie mit Vorsicht begegnen sollte (Klempner = ID$A-Leitlinienautor). Stattdessen wurde Baker nicht müde, den Menschen zu erzählen, es gebe keine Notwendigkeit für weitere (NIH)-Studien zur Borreliose. Wissenschaftlich sei das Thema Chronische Borreliose abgearbeitet.

Siehe auch: Chronic Lyme disease: in defense of the scientific enterprise

Wissenschaftlich ist das Wissen zum Thema (chronische) Lyme-Borreliose unsicher – das ist Fakt. Salopp gesagt: Nichts Genaues weiß man. Doch der Schaden, den Baker und Konsorten angerichtet haben, ist immens.

Baker konnte es auch nicht lassen, Ärzte, die sich auf die Diagnose und Behandlung der Lyme-Borreliose spezialisieren, zu attackieren. Immer wieder verweist er auf die Falldefinitionen der CDC für die Diagnostik. Doch diese dienen nur epidemiologischen Zwecken. Die CDC selbst schreibt auf ihrer Website, dass die CDC-Falldefinitionen nicht für die klinische Diagnose geeignet sind. Des Weiteren heißt es bei den CDC, dass die Brauchbarkeit öffentlicher epidemiologischer Gesundheitsdaten davon abhängt, wie einfach und standardisiert diese erhoben werden. Das hat definitiv nichts mit der individuellen Diagnosestellung beim behandelnden Arzt zu tun. Siehe auch: http://www.cdc.gov/lyme/faq/index.html#casedef

Baker und die ID$A-Leitlinienautoren empfehlen wider besseren Wissens eine ungeeignete diagnostische Vorgehensweise. Darüber hinaus empfiehlt Baker patentierte, kommerzielle Labortests, die es auf eine Sensivität von nur 46% bringen und offenbar auch in Bezug auf das Geschlecht bias-verzerrt sind. Siehe auch: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20869632?dopt=Abstract

Bakers Veröffentlichung im American Journal of Medicine befeuert erneut die Diskussion über angeblich “falsche Vorstellungen” zur Lyme-Borreliose und führt zu nichts. Much ado about nothing, Mr. Baker – viel Lärm um nichts!

B. Jürschik-Busbach © 2013

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2 Kommentare zu Borreliose – das Kunststück, die Diskussion um Jahre zurück zu werfen …

  1. Thomas H. meint:

    Liebe Birgit, ein herzliches Danke schön!

  2. Zeckenstich-Borreliose: Die verschwiegene Epidemie - 9 LEBEN Verlag meint:

    :-) Danke fürs Dankeschön!

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