Chronische Borreliose: Ist sie real? Was E-Mail-Veröffentlichungen verraten … Teil 4

Dose - MogelpackungIn Teil 1 war u. a. zu lesen: “Ich werde Euch alle vermissen – Euch Wissenschaftler”, sagte Phillip Baker, Borreliose-Chef bei den CDC, “aber nicht die Borreliose-Bekloppten.” Hier geht es zu Teil 2 und Teil 3.

Dokumente zeigen, dass die Mikrobiologin Barbara Johnson von den CDC (die in der IDSA-Anhörung eine wichtige Rolle spielte) 2002 und 2003 an Gary Wormser Mails schickte. Wormser fragt bei den CDC mehrmals nach Forschungsgeldern und Johnson bestätigt ihm, dass er die Fördermittel sehr bald erhalten werde. Wormser war klinischer Studienleiter bei einer 311.000 Dollar Borreliose-”Forschung” der CDC in jenem Jahr, die wiederum Teil einer 1,5 Millionen Dollar schweren “Forschungsförderung” seit 2001 war, wie Unterlagen zeigen.

Ein CDC-Sprecher: “Dr. Johnson trug ihre Expertise im Hinblick auf labordiagnostische Tests zu Artikeln bei und spielte die größte Rolle unter den CDC-Wissenschaftlern.” CDC-Beamte waren regelmäßig Co-Autoren bei Borreliose-Artikeln und natürlich jene Wissenschaftler um Wormser, die immer wieder mit CDC-Mitteln gefördert wurden. Empfehlungen, wer eine Förderung erhalten solle, seien von einem unabhängigen Forschungsgremium ausgesprochen worden, lässt die CDC verlauten.

Lässt sich ein Irrtum zugeben, wenn man bereits viel Geld und Energie hineingesteckt hat?

2007 versuchte der Borreliose-Programm-Direktor, Phil Baker, LB-Leitlinien, die der Auffassung der NIH widersprechen von der staatlichen Website des National Guidelines Clearinghouse (NGC) entfernen zu lassen. Und das, obwohl diese Leitlinien seinerzeit von der US-Gesellschaft für Infektionskrankheiten anerkannt worden waren. In seiner Mail an den Administrator der NGC-Website schreibt Baker: “Die Leitlinien stimmen nicht mit den Ergebnissen der NIH-Studien überein, die zeigen, dass eine verlängerte Antibiotikatherapie nicht wirkt.”

Ben Beard von den CDC (Chef der Abteilung “Bakterielle Erkrankungen” im Bereich Vektor-übertragene Erkrankungen und nationaler CDC-Koordinator für die Programme Lyme-Borreliose, Pest und Tularämie) lässt das offenbar keine Ruhe. Er äußert Bedenken über zentrale Aussagen in den anderen Leitlinien. “Die Anwendung experimenteller Therapien, die nicht geprüft und potenziell lebensbedrohlich sind und der übermäßige Gebrauch von Antibiotika sind beide gefährlich und führen zu antimikrobiellen Resistenzen”, schreibt er.

Gegenüber Patientenvereinigungen äußert sich Ben Beard übrigens anders. Er spricht davon, dass die CDC vorrangig die Borreliose-Prävention im Blick habe. Nichtsdestotrotz sollten Patienten Zugang zu Therapien erhalten, die ihre Gesundheit wieder herstellen. Behandlungsoptionen sollen offen sein, während die Wissenschaft sich weiter entwickelt.

Die NIH schreiben schlussendlich, Bakers Vorschlag (Entfernung der Leitlinien, die eine längere antibiotische Therapie favorisieren) sei angemessen.

Fortsetzung folgt.

B. Jürschik-Busbach © 2013

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3 Kommentare zu Chronische Borreliose: Ist sie real? Was E-Mail-Veröffentlichungen verraten … Teil 4

  1. Herzlichen Dank liebe Frau Jürschik-Busbach für die Informationen .
    Einen Irrtum zuzugeben erfordert viel Mut zumal schon Millionen Fördergelder geflossen sind.( und noch fließen werden)
    Warum sollte die NIH einen Ast absägen auf dem sie bisher sicher und gemütlich sitzt?
    Doch weltweit bleibt Hoffnung für alle Betroffenen und Verzweifelten.
    Dazu das Zitat von Frau Dr. Hopf-Seidel in meinem Gästebuch:

    Und wir hören auch in Zukunft nicht auf, die Wahrheit über diese Krankheit zu verbreiten, obwohl “es sich nicht lohnt, für eine gute Idee zu streiten, denn wenn eine Idee wirklich gut und richtig ist, geht sie ihren Weg ganz allein”…..

  2. Thomas H. meint:

    Liebe Birgit , ein herzliches Danke schön!

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