Chronische Borreliose: Ist sie real? Was E-Mail-Veröffentlichungen verraten … Teil 3

Dose - MogelpackungIn Teil 1 ist u. a. zu lesen: “Ich werde Euch alle vermissen – Euch Wissenschaftler”, sagt Phillip Baker, Borreliose-Chef der CDC, “aber nicht die Borreliose-Bekloppten.” Eine Aussage, dokumentiert in einer E-Mail, die nun im Rahmen des Informationsfreiheitsgesetzes an die Öffentlichkeit drang und die leider den traurigen Stand der Dinge zusammenfasst. Sie zeigt, welchen immensen Ressentiments all jene ausgesetzt sind, die es wagen, sich gegen den medizinischen Mainstream zu stellen. Weitere Ausführungen folgten in Teil 2.

2008 befand der Generalstaatsanwalt von Connecticut, Richard Blumenthal (inzwischen Senator), dass im Borreliose-Leitliniengremium der ID$A viele Interessenskonflikte eine Rolle spielen (Diagnostik-Tests, Patente und Berater-Verträge mit Versicherungskonzernen) und dort alleine deswegen bereits eine verzerrte Sicht (Bias) auf die Existenz einer chronischen Borreliose besteht.

Die ID$A stellt dies in Abrede und betont immer wieder ihre “unabhängige Überarbeitung”, was zur Beibehaltung der Leitlinien 2009 führte. Siehe dazu auch: Warum bleiben die ID$A-Leitlinien seit 7 Jahren unüberprüft? Zu beachten ist, dass sich jede Seite gegenseitig bezichtigt, Kapital aus der Borreliose zu schlagen. Behandelnde Ärzte werden beschuldigt, aus ihren verzweifelten Patienten Kapital zu schlagen, was diese wiederum verneinen, während die Leitlinien-Autoren über Patente, Testkits etc. ihre pekuniären “Borreliose-Interessen” verfolgen.

Hinter den Kulissen arbeitete der verantwortliche NIH-Programmdirektor für Borreliose, Baker, kräftig daran, ein Gesetz zu verhindern, dass 2005 mehr Geld für die Borreliose-Forschung und eine spezielle Projektgruppe für Lyme Borreliose (LB) etabliert hätte.

In einer E-Mail vom 4. November, bietet er dem Leitlinienvorsitzenden Dr. Gary Wormser an, er könne ihm wichtige Hinweise geben, die für ihn wertvoll sein werden, wenn es darum geht, das Gesetz zu verhindern. In einer E-Mail bezeichnet Wormser das Gesetz als “einen Weg, um die Verfechter einer chronischen Lyme-Borreliose in eine übermächtige (sic!) Position zu bringen.”

In einer Antwort an ein Journal, schreibt Baker, das Gesetz würde nur das kopieren, was die NIH schon lange tun und seine Beziehungen zu Wissenschaftlern im Dunstkreis von Wormser verteidigt er: “Das dürfte kaum zu Kollisionen führen, wie manche glauben.”

2007 luden Baker und Barbara Johnson (Chefin der Molekularbiologie für vektorübertragene Infektionen bei den CDC) zu einer Konferenz, um die LB-Forschungsprioritäten für die LB-Tests festzulegen. Erbeten und erwünscht waren zu dieser Konferenz nur enge Kollegen des ID$A-Borreliose-Leitlinienautors Raymond Dattwyler. Dattwyler, als Mit-Organisator der von der Regierung bezahlten Konferenz, hatte 2001 ein Unternehmen gegründet, das LB-Tests vermarkten sollte; Unterlagen zeigen, dass sein Unternehmen seit 2007 3,5 Millionen US-Dollar an Forschungsstipendien für LB-Tests erhielt.

Die Gemengelage kann man auch so zusammenfassen: Einige Wissenschafter aus dem Elfenbeinturm gründen Firmen, die unzuverlässige Tests auf Lyme-Borreliose vermarkten (siehe auch: http://www.bmj.com/content/335/7628/1008.1?tab=responses). Sie sagen, LB kann nicht chronisch werden und jene, die behaupten, LB könne sich zu einer chronischen Krankheit entwickeln, gefährden die Gesellschaft. Diese Universitätsjungs bekommen Millionen US-Dollar staatliche Forschungsförderung. Sie bringen eine medizinische Gesellschaft (die ID$A) dazu, ihre Tests und Vorgehensweise (ELISA/Westernblot) zu legitimieren, in dem die ID$A das zweistufige Vorgehen als State-of-the-art darstellt, anerkannt von Tausenden Medizinern. Der Staat, der bereits viel Geld in diese “Test-Forschung” gesteckt hat, lässt diese Tests und Vorgehensweise in allen führenden medizinischen Fachjournalen verbreiten und als “evidenzbasiert” darstellen.

Diese Vorgehensweise wurde laut Barbara Johnson vor Jahrzehnten an sage und schreibe 26 Personen getestet. So geht “evidenzbasiert”, Stupid! Wissenschaft muss nicht auf Wissenschaft basieren – manchmal basiert sie vielleicht schlicht darauf, wer wen kennt und nicht darauf, was man weiß. Brisant wird es, wenn diese Personen Schlüsselpositionen in Regierungsbehörden inne haben.

Diese Menschen sorgen dafür, dass die Elfenbeinturmforscher weiterhin Geld für ihre Borreliose-Forschung erhalten, dass sie ihre Tests weiterhin vermarkten können (ein ansehnlicher Markt – jedes Jahr werden in den USA Millionen Menschen auf LB getestet!) und Nonprofit-Organisationen wie die ID$A diesen Missstand perpetuieren – auch die nächste Mediziner-Generation wird entsprechend “aus- und fortgebildet”. Wer ein paar Tausend US-Dollar ausgeben kann, findet übrigens hier detaillierte Analysen zum internationalen LB-Markt.

Fortsetzung folgt.

B. Jürschik-Busbach © 2013

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2 Kommentare zu Chronische Borreliose: Ist sie real? Was E-Mail-Veröffentlichungen verraten … Teil 3

  1. Bonin Petra meint:

    Danke für Deine unermüdliche Arbeit!

  2. Thomas H. meint:

    Liebe Birgit, ein herzzliches Danke schön!

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