Borreliose – unnötige Konfliktlinien durch medizinjournalistischen Fundamentalismus?

Forschung2Wenn man die jüngst wiederholten TV-Dokus sieht und diverse Berichte in den Medien zum Thema Borreliose liest, könnte man auf den Gedanken kommen, dass das Thema Lyme-Borreliose offenbar ein beliebter Tummelplatz für Medizinfundamentalisten ist.

Borreliose: Fundamentalisten schaffen unnötige und schädliche Konfliktlinien

Fundamentalisten sehen ihre inhaltlichen Grundlagen (Fundament, lat. fundamentum = Unterbau, Grund) als einzig wahr an. Fundamentalisten polarisieren und setzen ihre Überzeugungen absolut. Damit schaffen Fundamentalisten, die beispielsweise Wissenschaftsjournalisten oder Mediziner von Beruf sind, Konfliktlinien, die die Welt nicht braucht und die allen Beteiligten nur schaden.

Der natürliche Feind eines Medizin-Fundamentalisten ist Pluralität; das Umfeld, in dem Fundamentalisten gedeihen heißt Ideologie

Vehement kämpfen Fundamentalisten um die ideologische Orientierung und um Kontrolle der Deutungshoheit. Mit ihrer limitierten und dualistischen Weltsicht wähnen sie sich im Besitz der einzigen Wahrheit; tapfer treten sie gegen jene Andersdenkenden an, gegen jene, die anzweifeln, dass es angesichts vieler offener Fragen zur Borreliose bislang die “einzige Wahrheit” geben kann. Dabei scheint den Anhängern eines medizinischen Fundamentalismus nahezu jedes Mittel recht zu sein. Andersdenkende werden diskreditiert, ihre Aussagen werden unterdrückt oder in falsches Licht gestellt.

Diese Mediziner und Medizinjournalisten haben wohl vergessen, dass die medizinische Entwicklung immer wieder zeigt und gezeigt hat, dass das, was gestern noch als wahr und bewiesen galt, morgen bereits überholt sein kann. Sie leiden unter dem Semmelweis-Reflex und glauben, Terrain gewonnen zu haben; dabei manövrieren sie sich in eine Ecke, aus der sie in einigen Jahren vermutlich nur schwer wieder ohne Gesichtsverlust herauskommen werden.

Wer gegen medizinische Dogmen bei der Lyme-Borreliose verstößt, wird von diesen Fundamentalisten als “Quacksalber” gebrandmarkt, so wie man eben mit Ketzern in einer fundamentalistischen Religion umspringt. Wer es wagt, den Finger auf die Wunde fehlender Evidenzen, mangelnder Forschung und der zu vielen offenen Fragen zu legen, wird unbarmherzig öffentlich mithilfe willfähriger Medien gegeißelt. Medien, die diese Fundamentalisten auch noch mit unseren Gebühren bezahlen.

Sollte man nicht meinen, dass in der Medizin für Dogmen kein Platz ist? Sollte die Wissenschaft nicht eher vom Zweifel geleitet werden, denn von Gewissheit? Und heißt es nicht: Zunächst nicht schaden?

Schaden kann in vielen Formen daherkommen – eine davon ist ein Medizinjournalismus, der schamlos alle Möglichkeiten nutzt, um die eigene Ideologie und limitierte Weltsicht zu verbreiten.

Jedes Problem durchläuft drei Phasen:
In der ersten wird es lächerlich gemacht
In der zweiten wird es bekämpft
In der dritten gilt es als selbstverständlich – und als immer schon gewusst.

Arthur Schopenhauer

B. Jürschik-Busbach © 2013

Alle Artikel dieses Blogs können gerne zu nicht-kommerziellen Zwecken unter Angabe der Quelle/Autorin und dem Original-Link verbreitet werden.

 

8 Kommentare zu Borreliose – unnötige Konfliktlinien durch medizinjournalistischen Fundamentalismus?

  1. Dipl.-Biol. Claudia K. meint:

    Danke, hervorragende Beleuchtung der ganzen Misere. Zur Zeit befinden wir uns in der Phase, in der wir und unsere behandelnden Ärzte diffamiert und bekämpft werden. Gebe Gott, dass sich das bald ändert.

  2. Thomas H. meint:

    Ein Artikel mit sehr viel Aussagekraft. Herzlichen Dank.
    Ich bete für die Fundamentalisten, dass ihnen noch eine Erleuchtung widerfährt – oder von einer infizierten Zecke befallen werden.
    Eurokrise, globale Krise usw. – Wann wird den Verantwortlichen endlich bewußt, dass wir aufgrund vieler widrigen Umstände (Klimaerwärmung, globaler Warenaustausch, veränderte Lebensbedingungen von Menschen und Tieren)ein stark erhöhtes Risiko bei den Infektionserkrankungen schon haben.
    Die jüngst wiederholten TV-Dokus und diverse Berichte in den Medien über das Thema treiben bewußt eine Verharmlosung und Volksverdummung voran.
    Wie lange kann Herr H. & Co. noch in den Spiegel schauen, bei immer mehr betroffenen Menschen. Unsere Zukunft, unsere Kinder und unsere Jugendliche sind enorm gefährdet.
    Wie lange noch? Es ist fünf nach zwölf.

  3. Irene P. meint:

    Danke für diesen Bericht. Er bringt die Tatsachen auf den Punkt.

    Schlimm ist es, dass die unwissenden Menschen, diesen bescheuerten Berichten des Herrn H. auch noch Glauben schenken.

    Warum? Hr. H. war ja mal Arzt und setzt einen so treudoofen Blick auf, dass man meinen könnte, man hätte es mit einem Kleinkind zu tun! Können Kinder lügen?

    Mir wird beim Namen H. jedesmal übel!

  4. Pia meint:

    Es ist ein bescheuertes System, worüber es einem richtig schlecht werden kann.
    Wie viel Ungeziefer wird durch Flugtransport und Container aus Übersee in unser Land herein gebracht, ohne es zu wissen?

    Gifte in Container im Hamburger –Hafen.

    Ungeziefer in Containern auf den Flugplätzen wie z.B. in Ramstein Pfalz.

    Krankheiten von Ausländern die noch nichts einmal dafür können, weil sie es nicht wissen
    Und bei der Anreise nicht darauf untersucht werden.

    Nein die Fundamentalisten sowie Herr H. und Co sollten sich schämen, für ihren Mist den Sie verbreiten und dadurch eine Menge unschuldigen Menschen eine faire Behandlung verweigern.

    Sorry, da kommt einem nur noch das K…

  5. Amrei meint:

    Vielen Dank für diesen Bericht!
    Inzwischen ist es sein ganz persönlicher Feldzug gegen den Rest der Welt geworden, das hat mit objektivem und seriösem Journalismus nichts mehr zu tun.
    Ich denke, daß das die evtl. noch zweifelnden Mediziner auch bald begreifen werden.
    So aber schäme ich mich nur für diesen Herrn, wenn er es schon selbst nicht tut.

  6. Herzlichen Dank für diesen aufschlußreichen Bericht.

    Für Herrn H. gilt sicher das Prizip:
    Irren ist nicht schlimm, solange es zum eigenen Vorteil geschieht.
    Einen Ehrenpreis, auch wenn dieser auf dem Rücken der Chroniker ausgetragen wird, ist sicher für einen Journalisten nicht zu verachten.
    Wenig eigene Gedanken zu haben, trotzdem einen TV-Beitrag zu drehen – das macht den Journalisten.
    Welchen Schaden er der Bevölkerung, den Kranken und Infizierten damit zufügt wird sicher ausgeblendet.

    Worte von Max Planck:
    Irrlehren der Wissenschaft brauchen 50 Jahre, bis sie durch neue Erkenntnisse abgelöst werden, weil nicht nur die alten Professoren, sondern auch deren Schüler aussterben müssen.

    In 50 Jahren leben viele von uns nicht mehr.
    Dann kann Herr H. und Co. den Irrtum gestehen. Sie werden in die Medizin-Geschichte als Irrlehren eingehen.

  7. urmel57 meint:

    Ein wichtiger Punkt – Fundamentalismus wächst am Besten auf dem Boden der einfachen Lösungen.
    Ein weiterer wichtiger Punkt – er hat oft seinen Gegenpart.

    Also, hinsichtlich der eigenen Aktions- und Reaktionsmuster ist denn auch die Gefahr gegeben dass solche Tendenzen als Reaktion entstehen! Das frühzeitig zu erkennen, geht nur über Pluralismus, Meinungsfreiheit, Meinungsaustausch in gegenseitiger Toleranz und Respekt, bevor die Versteifung so groß geworden ist, dass die Meinungsänderung Gesichtsverlust bedeutet; denn dann fällt es in der Regel wesentlich schwerer, sich aus der festgefahrenen Ecke herauszubewegen.

    Wie furchtbar, das mit anzusehen – noch schlimmer Leidtragender zu sein, von manch sogenannten JournalistInnen, die sich auf auf diese Weise profilieren. Ich habe es leider schon von verschiedenen Seiten an mir selbst erlebt und will nie im meinem Leben das anderen Menschen anzutun, was diese fundamentalistisch geprägten, Anderen und mir bereits angetan haben – eiskalt, in ihrer Überzeugung gefangen, ohne Rücksicht auf Verluste.

  8. Anita Hohendorf- Kolbe meint:

    Danke für diese Betrachtungsweise der momentan führenden Berichterstattung in den Medien.

    Leider wird bei Festlegungen dieser Art vergessen, dass die Welt und ihr aktuelles Wissen heute für jedermann auch direkt und ohne die jeweilige Brille aller möglicher Interessen zugänglich ist.
    Zudem ist ein Großteil der Konsumenten inzwischen in der Lage, oft zum Ärger der Mainstreammacher, ganz gut objektive Bezüge zu setzen.
    Nicht mehr angewiesen zu sein auf mehrfach (Interessen)gespülte Informationen, hat, neben einigen Nachteilen für unkritische Gemüter, eigentlich nur Vorteile.
    Ich bin froh, in einer Welt zu leben, die mir die Möglichkeit gibt, aufgestellte Behauptungen auf ihre Substanz hin zu prüfen.
    Aus diesem Grund verblüfft es mich immer wieder, mit welcher Selbstverständlichkeit ” Antworten” verbreitet werden, während die Wissenschaft noch bei den Fragen festhängt.
    Soll man das ” Mut” nennen, oder eher doch ein Festhängen in überholten soziokulturellen Entwicklungen, weil man in der eigenen nickenden Gruppe den Bezug zur Wirklichkeit verloren hat?
    Das kann bös schiefgehen, vor allen Dingen, wenn man dann von der Wirklichkeit ein(über)geholt wird.

Hinterlasse einen Kommentar zu Ingeborg Schmierer Antworten abbrechen

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Folgende HTML-Tags können benutzt werden: <a href=""> <abbr title=""> <blockquote cite=""> <cite> <code> <em> <q cite=""> <strike> <strong>