Chronische Borreliose? Warum Pharmafirmen selten neue Antibiotika entwickeln

Es gibt vornehmlich zwei Gründe, warum kaum noch neue Antibiotika in der Pipeline der Pharmakonzerne zu finden sind:

Erstens:
Wenn ein Antibiotikum nur gegen ein bestimmtes Bakterium hilft, benötigen es nur wenige Menschen während der Patentzeit. Ist ein Antibiotikum jedoch ein „Breitband-Antibiotikum“, soll heißen, es wirkt gegen eine ganze Reihe von bakteriellen Erregern, verkürzt auch dieser Umstand die kommerzielle Zeitspanne, da diese Antibiotika schnell Resistenzen hervorrufen.

Antibiotika sollen vor allem eine akute Infektion heilen, nicht eine chronische lindern. Das bedeutet, Patienten benötigen sie nur für eine kurze Zeit, während der Akutphase ihrer Infektion. Vergleichen Sie das mal mit Medikamenten, die über Jahre hinweg genommen werden müssen, wie z. B. bei zu hohem Cholesterin oder bei Asthma. Antibiotika schwächen das Investment der Pharmaproduzenten!

Zweitens:
Die nächste Herausforderung liegt in der Natur der Bakterien, die  auf gewisse Art ihre kollektive Intelligenz nutzen. Jede Menge  unabhängig mutierender Bakterien testen Anpassungsvarianten an die Probleme der Bakteriengruppe, z. B. wie können wir Antibiotika überleben? Die Bakterien, die für solche Probleme Lösungen finden, überleben und geben dieses “Wissen” weiter. Soll heißen: Wenn z. b. die Veränderung des bakteriellen Proteins, an das normalerweise das Antibiotikum angedockt hätte, das Bakterium überleben lässt – Bingo! So ist es viel schwieriger geworden, Antibiotika zu entwickeln, die diese veränderten Keime noch vernichten können.

Wenn  man die beiden Probleme (das ökonomische und das wissenschaftliche) zusammenführt, ist das Ergebnis ein Desaster für die Entwicklung neuer Wirkstoffe. Die Aussichten sind so entmutigend, dass kaum noch eine Firma versucht, neue Antibiotika zu entwickeln.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Pharmafirmen könnten ihre Forschungsteams zeitlich limitiert für “Antibiotika-Projekte” zusammenlegen. Oder der Staat fördert jene  Pharmafirmen, entsprechend ihres Beitrags zum Wohl der Patienten. Jene, die Medikamente “erfinden”, die Patienten xy mehr gesunde Lebensjahre verschaffen, sollen proportional mehr Förderung erhalten, als andere. Je niedriger die Kosten für diese lebensrettenden Medikamente sind, um so mehr Menschen könnten sie nutzen. Je mehr Leben diese Medikamente retten, umso größer müsste die finanzielle Belohnung für solche Firmen ausfallen. In Kanada schlug man vor, für 20 Millionen Dollar pro Jahr die Zusammenarbeit verschiedener Firmenlaborteams zu fördern, damit sie neue Antibiotika entwickeln.

Wie wird man künftig moderne Medizin praktizieren wollen, ohne wirksame Antibiotika?

Übersetzung B. Jürschik-Busbach © 2012 

Quelle: http://www.nytimes.com/2012/12/10/opinion/teaming-up-to-make-new-antibiotics.html

 

 

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