Borreliose: Längere Behandlung zeigt bessere Ergebnisse

Theorie / Praxis - Business KonzeptDie englische Organisation Lyme Disease Action veröffentlichte unlängst die Zusammenfassung einer retrospektiven Studie aus Glasgow: “Management of suspected Lyme borreliosis: experience from an outpatient antibiotic therapy service.’ White B, Seaton RA, Evans TJ. QJM 2013; 106:133–38.

Die Studie befasst sich mit den Erfahrungen, die in einer Klinik für Infektionskrankheiten in Glasgow mit ambulanten Patienten und der ambulant durchgeführten, parenteralen antibiotischen Behandlung (in Form von intravenösem Ceftriaxon) bei vermuteter oder nachgewiesener Borreliose gemacht wurden.

Retrospektiv wurden alle Patienten mit Verdacht auf Borreliose und ambulant erfolgter intravenöser Ceftriaxon-Therapie überprüft, die in Glasgow von Januar 2000 bis Juni 2011 behandelt worden waren. Beachtet wurden die Therapie-Ergebnisse, die Angemessenheit gegenwärtiger Leitlinien, wenn sie in der “Realität” angewendet werden und Aufzeichnungen über Nebenwirkungen der Therapien. 91,7 % der ambulanten Patienten verabreichten sich nach Schulung selbst die Medikamente durch einen peripheren oder zentralvenösen Zugang.

Ergebnisse

76 Patienten wurden identifiziert und für 72 Patienten standen Aufzeichnungen zur Verfügung, von denen 79% im Jahr 2007 behandelt wurden.

Die Klinik beschäftigt sich mit Überweisungen von 7 der 14 Scottish Health Boards in einer “hoch endemischen Region.”

68% der Überweisungen kamen vom Greater Glasgow & Clyde Health Board.

Das mittlere Alter lag bei 42 Jahre (Skala: 15 bis 89 Jahre). 56% der Patienten waren weiblich.

39% der Patienten wurden von Hausarztpraxen überwiesen; 38% von Neurologen.

Die Mehrheit der Patienten wies einen positiven oder grenzwertigen Serologie-Befund auf, 18% der Patienten waren seronegativ.

76% waren potenziell Zecken oder Risikofaktoren für Lyme-Borreliose (LB) ausgesetzt und 39% erinnerten sich an einen oder mehrere Zeckenbisse. 19% hatten “keine Erinnerung an einen Zeckenbiss und kein erkennbares Risiko für LB.

Verdachtsdiagnosen bei Überweisung:

Neuroborreliose 60%

chronische Lyme-Borreliose 17%

Lyme Arthritis 15%

frühe Lyme-Borreliose 4%

Lyme-Borreliose mit Herzbeteiligung 3%

Uveitis 1%

 

Häufige Symptome:

Nervenwurzelschmerzen und periphere sensorische Probleme 47%

Fatigue 44%

Gelenkschmerzen 26%

Kopfschmerzen 15%

Muskelschwäche 13%

Siebter Gesichtsnerv/Gesichtslähmung 10%

Kognitive Probleme 10%

Muskelschmerzen 8%

Hörverlust/ Tinnitus 7%

Entzündliche Arthritis 7%.

 

Im Allgemeinen: “Es wird über ein breites Spektrum von Symptomen berichtet und mehrere Symptome gleichzeitig sind häufig.”

Eine Wanderröte, ein Erythema migrans wiesen nur 4% der Patienten auf; unspezifische Hautreaktionen ebenfalls 4%.

49% der Patienten wurden nach den Leitlinien behandelt und 50%  nicht. Bei Patienten, die nicht nach Leitlinien behandelt wurden, waren auch jene eingeschlossen …

- deren Serologie negativ war

- die wiederholt intravenöse Therapien erhielten

- (32%), die orale Antibiotika nach der intravenösen Therapie erhielten (Median 3 Wochen (Spanne: 1-8 Wochen).

Die mittlere Dauer der Ceftriaxon-Therapie betrug 21 Tage (Spanne: 1-43 Tage).

Das mittlere Follow-up betrug 4 Wochen nach Beendigung der Behandlung (Spanne: 0-204 Wochen).

Deutliche Verbesserung wurde bei 28% der Patienten beobachtet; bescheidene/leichte oder vorübergehende Besserung bei 33% und keine Besserung bei 36%. Die Autoren kombinierten die letztgenannten Gruppen in ihrer Analyse.

Die Autoren kommentieren, dass das Ansprechen auf die Behandlung, je nach serologischem Status und je nach Einhaltung der veröffentlichten Leitlinien widersprüchliche Ergebnisse zeigt.

61% der Befragten mit positiver Serologie, die eine längere Therapie erhielten, zeigten deutliche Verbesserung, ebenso 23% der Befragten mit negativer Serologie.

Schlechte Ergebnisse wurde bei Patienten mit positiver Serologie beobachtet, bei denen die Leitlinien eine orale Behandlung empfehlen (9% deutliche Verbesserung), und jene, die eine intravenöse Therapie nach Leitlinien (23% deutliche Verbesserung) erhielten.

Überraschend war die hohe Rate der Nebenwirkungen, insbesondere der Neutropenie (18%) *(reduzierte Anzahl von Neutrophilen, die eine Art von weißen Blutkörperchen sind), Leberwerte (11%), Durchfall (6%), nur ein Fall aufgrund C. difficile, Infektion (4%) bei einem Patienten Absetzen infolge schwerer Sepsis. Weniger häufig waren Hautausschlag (4%), allergische Reaktion (3%), Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Mundsoor, Gürtelrose und Dyspepsie (alle 1%).

Die Autoren schließen, dass die Behandlung eine individuelle Entscheidung des Arztes und des Patients bleiben sollte, basierend auf einer offenen Prä-Therapie-Besprechung und der Abwägung der Risiken und Chancen.

Übersetzt und zusammengefasst: B. Jürschik-Busbach © 2013
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Quelle: http://www.lymediseaseaction.org.uk/latest-news/longer-treatment-better-outcome/

 

 

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