Borreliose: Überlegungen zu künftigen Leitlinien von Dr. Fallon, Columbia University

Forschung2In dem sehr lesenswerten Blog Lymepolicywonk von Lymedisease.org, schildert Dr. Fallon seine Überlegungen für künftige Borreliose-Leitlinien, die ich hier mal kurz übersetzen und zusammenfassen möchte:

Eines der frustrierenden Dinge bei der Lyme-Borreliose ist die Art, wie die IDSA den “Stand der Wissenschaft” betonen und behaupten, die Forschun zur chronischen Borreliose sei ein abgeschlossener Fall, wir benötigten keine weitere Forschung, “bestimmte” Studien hätten gezeigt, dass die Borreliosetherapie nicht wirkt. Punkt. Aus. Diese Übertreibung hat verheerende Folgen für Patienten, denn so werden die Türen für die künftige Forschung geschlossen und Patienten ohne Behandlungsmöglichkeiten zurückgelassen.

Wissenschaftler achten für gewöhnlich darauf, beim neuesten Stand der Wissenschaft nichts zu übertreiben. Diese Sache ist inzwischen bei einigen wissenschaftlichen Organisationen auf der Ebene ethischer Prinzipien angekommen. Die Amerikanische Chemische Gesellschaft stellt fest: “Öffentliche Kommentare zu wissenschaftlichen Dingen sollten mit Sorgfalt erfolgen, ohne grundlose, übertriebene oder verfrühte Aussagen.”(Moghissi et al. 2010). Doch bei Borreliose ist der Unterschied zwischen den Studienergebnissen (die die Wissenschaft reflektieren) und den Schlüssen, die daraus gezogen werden (die Meinungen enthalten), riesengroß, sie spiegeln Standpunkte und die Kontroverse wider.

Vier NIH-Studien zeigten unterschiedliche Ergebnisse, ob eine verlängerte antibiotische Therapie hilfreich ist. Diese konfliktträchtigen Ergebnisse spiegeln den entstehenden Stand der Wissenschaft/Forschung wider. Wir können daraus nicht folgern, dass wiederholte antibiotische Behandlungen bei Borreliose unwirksam sind, noch können wir annehmen, dass sie auf stabile Weise wirksam sind. Was wir folgern können: 60 % der Patienten mit schwerer Fatigue (Erschöpfung) geht es mit wiederholter, antibiotischer Therapie besser. Wir wissen das, weil diese Ergebnisse sowohl in der Krupp-Studie, als auch in der Fallon Studie bestätigt wurden.

Wenn wir schließlich die Ergebnisse der NIH-Studien in Empfehlungen “übersetzen”, sollten wir abwägen, ob der Nutzen einer Therapie die Risiken überwiegt und das wiederum hängt von den individuellen Umständen des Patienten ab. Das eigene klinische Urteil und der Patient dürfen nicht außer acht gelassen werden. Dr. Sackett, der “Vater” der evidenzbasierten Medizin: “In der klinischen Praxis der evidenzbasierten Medizin bedeutet dies die Integration individueller klinischer Expertise mit der besten, verfügbaren, externen Evidenz aus systematischer Forschung; sie schließt auch die Patientenpräferenz mit ein.”

Hallo? Die Patientenpräferenz! Man sollte Borreliosepatienten die Wahl lassen, ob sie wiederholt antibiotisch behandelt werden wollen, oder nicht.

B. Jürschik-Busbach © 2012
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Quelle: http://lymedisease.org/news/lyme_disease_views/lymepolicywonk-dr-fallon%E2%80%99s-suggestions-for-future-guidelines.html

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