Borreliose: Mythen, Verschwörungen, Manipulationen? Teil 2

Manche glauben, Borreliose sei eine Infektion, die als biologische Waffe während oder nach dem zweiten Weltkrieg vom deutschen Laborchef Traub experimentell entwickelt wurde – siehe Teil 1. Hat der ominöse Laborleiter Traub für die Sowjets an Viren als Biowaffen geforscht? War er Labor-Chef auf einer deutschen “Biowaffen-Insel”? War er tatsächlich einer der Gründer der Labore auf Plum Island?

Dr. Traub und Borrelien?

Der Veterinär und Virologe Traub arbeitete von 1938 bis 1942 an der Universität Gießen und von 1942 bis 1948 an der Reichsforschungs-anstalt für Viruskrankheiten der Tiere auf der Insel Riems; Nachfolger ist heute das Friedrich-Löffler Institut. Diese Forschungsanstalt wurde von Professor Waldmann geleitet, der nach Blome und Conti direkt dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler unterstellt war. Traub und sein Kollege Nagel arbeiteten zeitweise an biologischer Kriegsführung. In den 30iger Jahren studierte Traub übrigens mit einem Stipendium am Rockefeller Institute for Medical Research und war zusammen mit seiner Frau Mitglied beim German American Bund.

Carroll schreibt, Traub sei direkt Himmler unterstellt gewesen. Das ist nicht korrekt, wenn man Historikern glauben mag. Tatsächlich lief die Befehlskette von Himmler zum Reichs-gesundheitsführer Conti, zu Blome, zu Waldmann und dann erst zu Traub. Historiker rücken daher Blome in den Fokus, was die Biowaffenarbeit für Himmler betraf, wie es auch in einem interessanten SPIEGEL-Artikel nachzulesen ist.

Aus gegebenem Anlass: Der vollständige Quellennachweis für diese kleine Serie kann bei der Autorin angefragt werden.

Die Errichtung der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV) in Tübingen wurde 1952 beschlossen, nachdem die ehemalige Reichsforschungsanstalt auf der Insel Riems nach der Teilung Deutschlands der Bundesrepublik nicht mehr zur Verfügung stand. Aktueller Anlass für den Beschluss war der ungewöhnlich heftige Seuchenzug der Maul- und Klauenseuche (MKS) in den Jahren 1950 und 1952, der der landwirtschaftlichen Tierhaltung schwere Verluste zugefügt hatte. Traub, der von der Insel Riems kam und zu jener Zeit gerade in den USA arbeitete, wurde mit dem Aufbau und der Leitung der Forschungsanstalt beauftragt, deren Aufgaben nicht auf die MKS-Forschung beschränkt, sondern vorausschauend auf andere virusbedingte Tierkrankheiten ausgedehnt wurden. Dass die Wahl des Standortes auf Tübingen fiel, lag nicht zuletzt daran, dass dort bereits das Max-Planck-Institut für Virusforschung ansässig war.

1949 hatten die Engländer Traub in die USA gebracht, wo er von 1949 bis 1953 am Naval Medical Research Institute in Bethesda, Maryland arbeitete, der führenden medizinischen Einrichtung der US-Marine.  Zwischenzeitlich soll Traub aufgefordert worden sein, sich mit US-Wissenschaftlern aus Fort Detrick zu treffen, wo man seit 1943 an biologischen Waffen forschte. Man hatte ihn dorthin eingeladen, weil er als renommierter Virologe die Forscher dort zu Tierkrank-heiten im Hinblick auf biologische Kriegsführung beraten sollte.

Traub berichtete über seine Arbeit auf Riems und bei den Sowjets – er hatte dort unter anderem auch über das Rinderpest-Virus geforscht. 1951 veröffentlicht Traub einen Bericht über die Newcastle Virus-Krankheit bei Hühnern und im Blut von Säugetieren.  Kurze Zeit später veröffentlicht er mit Worth I. Capps eine Arbeit über die Maul- und Klauenseuche (MKS). Von 1951 bis 1952 war er zudem UN-Experte für MKS in Kolumbien, im Iran und später in der Türkei.

5 Punkte zum Thema “Dr. Traub”:

1) In Nazi-Deutschland war man vorrangig mit der Maul- und Klauenseuche beschäftigt, nicht mit Spirochäten.

2) Traub war Virologe, Veterinär und ein führender Experte für  Maul- und Klauenseuche, Rinderpest und Newcastle Disease. Traub war definitiv kein Experte für bakterielle Erkrankungen bzw. für Spirochäten!

3) 1958 bot man Traub eine führende Position auf Plum Island an, die er jedoch ablehnte.

4) Traub kehrte 1953 nach Deutschland zurück und wurde 1955 Präsident der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere und ab 1956 Honorarprofessor der Universität Tübingen. Die Aktivitäten und Versuche auf Plum Island, die von der USDA ausgingen, begannen erst 1954. Zu einer Zeit, in der Traub gar nicht mehr in den USA weilte.

5) Carroll schreibt, Traub habe mindestens drei Mal Plum Island in den 50er Jahren „besucht“. Ja natürlich, warum auch nicht? Traub hat wie viele Wissenschaftler mehrfach Kollegen und Forscher an anderen Wirkungsstätten im In- und Ausland zwecks Informationsaustausch besucht.

Woran wurde auf Plum Island geforscht? Gab es B-Waffen-Versuche mit Zecken? Was hat es mit der Unit 731 auf sich? Soviel sei verraten: Ja, es gab Versuche mit Zecken als B-Waffe …
Mehr darüber in der nächsten Folge.

B. Jürschik-Busbach © 2012
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