Borreliose: Mythen, Verschwörungen, Manipulationen? Neue Serie – Teil 1

Borrelien und Plum Island – eine abstruse Verschwörungstheorie?

Manche glauben, Borreliose sei eine Infektion, die als biologische Waffe während oder nach dem zweiten Weltkrieg vom deutschen Forscher Traub experimentell entwickelt wurde. Es werden sogar Vermutungen ausgesprochen, dass Borrelien nicht „natürlichen Ursprungs seien“. Auf mancher Website werden sie als „scharfe Waffen“ bezeichnet und das soll erklären, warum sich Borrelien so gut tarnen können. Nachzulesen u. a. in einem Artikel des Magazins Nexus, das sich auch mit Themen wie UFOs, Unerklärlichem und eben Verschwörungstheorien beschäftigt. Demnach sollen Borrelien als „Waffen“ in einem Biowaffenlabor auf Plum Island entwickelt worden sein, von wo aus es die Krankheitserreger per Vogelflug und durch schwimmende Rehe bis ans Festland zum kleinen Örtchen Lyme schafften.

Michael C. Carroll – “Lab 257″

Insbesondere zwei Protagonisten haben die Borrelien-Biowaffen-Theorie immer wieder befeuert. Zum einen der US-Autor Michael C. Carroll, der 2004 mit seinem Buch „Lab 257“ viele Fragen aufwirft. Zum Anderen jemand, der seit 2006 unter dem Pseudonym Elena Cook eine entsprechende Website und einen Blog betreibt – Thema: Lyme Disease is a warfare issue.

Carroll und Cook werfen viele Fragen auf. Doch liefern sie auch Antworten?

Bevor wir uns den Aussagen und Antworten widmen, möchte ich noch kurz die Intention dieser kleinen Reihe erklären: Seit 2011 werde ich regelmäßig per E-Mail oder Telefon-Mailbox gefragt, was an der Sache “Borrelien als Biowaffen” und “Plum Island” eigentlich dran sei? Anstelle von zeitaufwändigen Einzelantworten, möchte ich versuchen, diese Fragen/Themen mithilfe eines in mehrere Häppchen aufgeteilten Online-Artikels so aufzubereiten, dass Sie sich hoffentlich selbst ein Bild machen können.

Die Illuminaten, Aliens … Verschwörungstheorien gibt es viele

Was glauben Sie, wie kommt es überhaupt zu Verschwörungstheorien? Egal, ob Illuminaten, Aliens oder Borrelien, die vermeintlich als „scharfe Waffen“ von Nazis in einem Labor kultiviert wurden – es gibt unzählige Konspirationstheorien zu allen möglichen Themen. Ist die Neigung zu Verschwörungstheorien vielleicht eine paranoide Art der Welterklärung? Sollen diese Theorien vor allem helfen, das Unbegreifliche zu erklären? Sollen sie Komplexität reduzieren? Spiegeln sie nur das eigene Misstrauen gegenüber Entwicklungen wieder, die man nicht verstehen, nicht nachvollziehen kann? Und wie entstehen überhaupt Verschwörungstheorien?

Wie entstehen Verschwörungstheorien?

Vereinfacht gesagt, entsteht eine Verschwörungstheorie zunächst häufig aus dem dumpfen Verdacht heraus, der eigenen Gruppe drohe Unheil durch eine andere Gruppe. Aus der Psychologie weiß man: Menschen beurteilen das, was ihnen vertraut und bekannt ist positiver als das, was sie nicht kennen. Außerdem verallgemeinern wir gerne. Was wir nicht kennen, wird nicht nur negativer beurteilt, sondern auch mit Stereotypen belegt, à la „Deutsche sind fleißig und pünktlich“. Das ist sozusagen der psychologische Nährboden für die Empfänglichkeit von Verschwörungstheorien.

Was versteht man unter einer Verschwörung?

Unter einer Verschwörung versteht man beispielsweise ein heimliches Bündnis mehrerer Personen, um einen Plan auszuführen. Je nach Zweck kann man unterschiedliche Arten der Verschwörung ausmachen: verbotene Kartelle, kriminelle Vereinigungen und Staatsstreiche u.v.a.

“Lab 257″

Kommen wir zum Buch „Lab 257“. Carroll schreibt unter anderem: „Die Frage, die Experten bis heute nicht beantworten können ist die: Warum tauchte die Erkrankung (Borreliose) plötzlich in Old Lyme, Connecticut, im Sommer 1975 auf?“

Könnte man nicht genauso gut fragen, warum brach ausgerechnet 1892 die Cholera in Hamburg aus? Warum in Hamburg? Und warum 1892? Oder warum kamen in Uganda über 200 Menschen durch zwei Ebola-Epidemien in den Jahren 2000 und 2007 ums Leben? Warum ausgerechnet im Jahr 2000 und 2007? Und warum in Uganda?

Diese Art der Fragestellung zieht sich als wiederkehrendes Muster durch Carrolls und Cooks Ausführungen. Offenbar soll mit solchen Fragen suggeriert werden, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht bzw. zugegangen ist.

Wer zu Verschwörungstheorien neigt, wirft gerne Fragen auf, die sich meistens tatsächlich oder vermeintlich jeder Nachprüfbarkeit entziehen. Es werden unbeweisbare Konstruktionen aufgebaut. Und das Fehlen von Beweisen für die vermeintliche Verschwörung, zeigt Anhängern derselben erst recht, wie sehr es sich offenbar wirklich um eine Verschwörung handeln muss.

Immer wieder dreht sich bei Carroll und seinen Anhängern alles um den ominösen Traub, den wir uns in der nächsten Folge näher ansehen werden. Hat er für die Sowjets an Viren als Biowaffen geforscht? War er Labor-Chef auf einer deutschen “Biowaffen-Insel”? War er tatsächlich einer der Gründer der Labore auf Plum Island? Wir werden sehen …

B. Jürschik-Busbach © 2012
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7 Kommentare zu Borreliose: Mythen, Verschwörungen, Manipulationen? Neue Serie – Teil 1

  1. Nach der Verschwörungstheorie tauchte die Borreliose plötzlich in Old-Lyme Connecticut im Jahr 1975 auf.

    Dabei wurde der Erreger in Europa schon im Jahr 1909 erkannt:

    In Europa waren Krankheitsbilder, die mit der Lyme Krankheit
    assoziiert sind, bereits lange zuvor beschrieben worden:

    1909: Erythema migrans von Afzelius (7)
    1924: Acrodermatitis chronica atrophicans-ACA von Jessner und Löwenstamm (8)
    1943: Lymphadenosis benigna cutis-Lymphozytom von Bäfverstädt (9)

    Dass diese Erkrankungen nach Zeckenstichen auftreten, war ebenfalls bekannt.

    Ab 1946 finden sich mehrere Publikationen über die erfolgreiche Behandlung von ACA, Erythema migrans und Lymphozytom mit Penicillin.

    1983 fand die erste internationale Konferenzen zur Lyme Krankheit an der Yale Universität statt (10). Hier einigte man sich auf die Krankheitsbezeichnung Lyme Borreliose. Seitdem finden solche internationalen Konferenzen regelmäßig abwechselnd in den USA und Europa statt.

    • Zeckenstich-Borreliose: Die verschwiegene Epidemie - 9 LEBEN Verlag meint:

      Ganz genau, Ingeborg! Das habe ich in meinem Buch ja auch bereits beschrieben, aber in den USA scheint mancher diese Zusammenhänge und diese Historie nicht zu kennen oder sie vergessen zu haben … aber dazu im Laufe der Serie noch mehr! :-)

  2. edbo meint:

    Im Uebrigen wurden sogar schon beim “Oetzi” Borrelia Burgdorferi Erreger nachgewiesen.

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/oetzi-erbgut-analysiert-der-risikopatient-aus-dem-eis-1.1296215

    Ich halte von der Plum-Island Theorie nicht viel und ich finde, gerade die Amerikaner uebertreiben bei solchen Verschwoerungstheorien immer gern.

    • Zeckenstich-Borreliose: Die verschwiegene Epidemie - 9 LEBEN Verlag meint:

      Ja, und genau deshalb wollte ich auf die zahlreichen Anfragen mit dieser kleinen Serie antworten. :-)

  3. ImMoment8 meint:

    Höre zum ersten mal was von dieser Theorie. Wenn die Fakten stimmen denke ich persönlich da ist nichts dran..das selbe sagte man aber schon bei so vielen Dingen ;)
    Na jedenfalls das mit “Oetzi´´ stinkt bis zur Milchstraße. Da gibt es so viele Ungereimtheiten. Überlegt doch mal, falls es nur gestellt ist und es ein nicht alter Körper ist bzw. präpariert wurde. Ein berühmter Bergsteiger der Messner war zum PR schnell zur Stelle und dann glaubt auch so gut wie jeder ja “Oetzi´´ ist echt. Und dadurch wird auch keiner mehr hinterfragen, ob die Krankheiten, die bei ihm gefunden wurden neu oder alt sind. Jeder glaubt dann, dass sie schon seit Jahrtausenden exestieren. Schlau schlau uns so für dumm zu verkaufen…
    http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article107749285/Genetiker-oeffnen-Oetzis-Krankenakte.html

  4. ImMoment8 meint:

    Das blöde bei solchen Sachen ist, dass es echt schwer nachzuweisen ist was wahr oder was unwahr ist. Dazu geben sich einige Personen in der Vergangenheit und Jetzt sehr viel Mühe Spuren zu verwischen und all sowas. Da ich aber schon so einige Lügen entdeckt und aufgedeckt habe wundert mich so gut wie nichts mehr. Dennoch bleibt man am besten objektiv und lernt zu unterscheiden und gegf. skeptisch zu sein. In dem Sinne gute Reise auf den Wegen der Wahrheit..Peace V

  5. ImMoment8 meint:

    Noch eine Ergänzung, nachdem ich ein wenig auf ihrer Seite gelesen habe. Zuerst Hochachtung an Sie, für Ihre Arbeit! Für Ihre Aufklärung für das was Ihre Motive sind. Zum anderen habe ich mich in der Eifel angesteckt > als 10 Zecken waren es bei mir. ELISA Test wurde gemacht, Ergebnis: negativ..nach Monaten, dann die Wanderröte, welche mal kommt und mal geht. Was ich nun von Ihnen Frau Jürschik-Busbach gerne wissen würde..wo kann ich die Infektion melden damit es zu einer besseren und breiteren Beachtung dieser Kr. kommt? Was evtl zur gesteigerten Aufklärung führt…mein Hausarzt (mittlerweile gewechselt) meinte so von wegen ich sei paranoid es sei so gut wie unmöglich sich in der Eifel damit anzustecken erst viel viel weiter fast bis Russland sei es erst wahrscheinlich..nun ja er lag völlig falsch. Ich habe hier Antibiotika liegen wollte heute damit anfangen..gut, dass ich Ihre Seite entdeckt habe. Nun stehe ich auf Glatteis, wie ich weiter vorgehen soll. Viel Erfolg weiterhin bei Ihrer Arbeit. Würde mich sehr über eine Antwort/Tipps freuen

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