Chronische Borreliose: Chronische Entzündung führt zu psychischen Krankheitsbildern

Tragen Ärzte selbst zur Chronifizierung der Lyme-Borreliose bei?

Vor dem Siegeszug der Antibiotika, war Tuberkulose ursächlich nicht behandelbar. So versuchte man die Infektion durch gute Ernährung, körperliche Schonung, einem hygienischen Umfeld, sogenannten Sonnenkuren (Vitamin D!) und viel frischer Luft zu kontrollieren bzw. zurück zu drängen. Die Selbstheilungskräfte sollten damit soweit gestärkt werden, dass der Körper die Krankheit selber überwinden kann. Für diese Erkrankten gilt: Keinen Stress und ein günstiges Umfeld.

Wie sieht es für Patienten mit chronischer Borreliose aus? Die Infektion kann nicht sicher geheilt werden, doch statt stressfreiem Umfeld müssen Patienten gegen Vorurteile und das “Es gibt keine chronische Borreliose-Mantra” ankämpfen. Kassenpatienten erhalten maximal 4 Wochen Doxycyclin und werden danach, was die kausale Behandlung betrifft, häufig sich selbst überlassen. Nur wer die finanziellen Mittel hat, kann zu einem der nur noch privat praktizierenden Borreliose-Experten wechseln, die von den kasssenärztlichen Vereinigungen wg. Regress dazu gedrängt werden, ihre Kassenzulassung abzugeben. Man muss kein Zyniker sein, um zu sagen, dass man sich Borreliose auch leisten können muss.

Dr. med. Kurt E. Müller (DBG) geht davon aus, dass dieser Stress, die mangelnde Zuwendung und Anerkennung ebenfalls zur Chronifizierung der Borreliose beiträgt. Ärzte müssen sich fragen lassen, inwieweit sie selbst dazu beitragen, dass ihre Patienten chronisch krank bleiben.

Chronische Borreliose verursacht Depressionssymptome

Hinzu kommt fehlendes Wissen auch zu anderen Aspekten der chronischen Borreliose. Bei COPD-Patienten und Tuberkulose-Erkrankten wissen die meisten Mediziner, dass die chronischen Entzündungsvorgänge auch Auswirkungen auf Botenstoffe und Hormone im Körper der Patienten haben und dementsprechend psychische Beeinträchtigungen, vor allem Depressionen hervorrufen.

Dr. Kurt E. Müller (DBG) weist darauf hin, dass Depressionssymptome häufig nichts mit psychiatrischen Traumatisierungen zu tun haben, sondern schlichtweg mit einer chronischen Entzündung und die damit verbundenen bzw. verursachten zahlreichen, neurobiologischen und immunologischen Funktionsstörungen.

Fast ein Fünftel der Bevölkerung leidet, so Dr. Müller, einmalig oder wiederholt an depressiven Symptomen. Unverständlich oder höchstens aus Sicht der Pharmafirmen verständlich, dass Mediziner diesen Zusammenhang häufig nicht untersuchen. Chronisch-entzündliche Infektionen wie Borreliose sorgen dafür, dass nicht mehr genug Serotonin zur Verfügung steht. Kurzum: Depression als Begleitsymptom einer chronischen Entzündung. Und es kommt für die Patienten meist noch dicker: Ohne eine sicher heilende Therapie wird ihnen noch nicht einmal das für TBC-Patienten selbstverständliche Therapieumfeld zur Verfügung gestellt. Statt sozialer Sicherheit erleben die Patienten Ignoranz und erleiden zusätzlich Stress, ganz nebenbei werden sie mit psychischen Erkrankungen stigmatisiert, anstatt dass diese ursächlich angegangen werden.

Literatur: http://www.borreliose-gesellschaft.de/Unterlagen_2011_Wuppertal/Mueller_Depression_Wuppertal_2011.pdf – ab Seite 40

http://www.borreliose-gesellschaft.de/de/TagungenFortbildung/2011Wuppertal/Abstracts/MuellerKurt1

http://www.schattenblick.de/infopool/medizin/fachmed/mz1um214.html

 

 

8 Kommentare zu Chronische Borreliose: Chronische Entzündung führt zu psychischen Krankheitsbildern

  1. Karl meint:

    Wie wahr! Eigentlich dürfte man als Borreliose-Patient gar nicht mehr zu Nicht-Borreliose-spezialisierten Ärzten gehen, um seine Psyche zu schonen und sich Unverschämtheiten zu ersparen. Leider geht das in der Realität kaum.

  2. Zeckenstich-Borreliose: Die verschwiegene Epidemie - 9 LEBEN Verlag meint:

    04.11.2011: „Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse sind mehr als ein Drittel der Deutschen (37 Prozent) wegen einer chronischen Krankheit in ärztlicher Behandlung.“

    Immerhin beginnt man endlich mit entsprechender Grundlagenforschung: http://www.inflammation-at-interfaces.de/

  3. Zur Verursachung einer depressiven Verstimmung aufgrund einer chronisch-systemischen Entzündung gibt es auch im neuen Heft von “Borreliose Wissen” des BFBD, das Depressionen als Leitthema hat, einen erklärenden Artikel von Dr. Hopf-Seidel, der verständlich einige Zusammenhänge zwischen diesen beiden Krnaheiten beschreibt.

  4. Hoppla, der Spätabendfehlerteufel war aktiv: “Krankheiten” sind gemeint, sorry…

  5. Birgit meint:

    Vielen Dank für diese Ergänzung, liebe Fr. Dr. Hopf-Seidel. Ich konnte von Ihnen auch noch ergänzend diesen Vortrag im Netz finden, für all jene, die das “Borreliose Wissen Magazin” nicht beziehen:
    http://www.dr-hopf-seidel.de/mediapool/87/874128/data/Vortrag_Neue_Wege_Augsburg_11-09.pdf

  6. Zeckenstich-Borreliose: Die verschwiegene Epidemie - 9 LEBEN Verlag meint:

    Mit der Rolle von Erregern bei der Entstehung psychiatrischer Erkrankungen beschäftigte sich im März auch das 9. internationale Expertentreffen für Psycho- und Neuroimmunologie auf Schloss Reisensburg bei Günzburg/Ulm. „Es gibt heute eindeutige Hinweise, dass schwere psychische Erkrankungen mit Infektionen oder den von ihnen hervorgerufenen Immunvorgängen, im Zusammenhang stehen könnten“, erklärte Bechter als Tagungsleiter. So seien in Gehirnzellen von depressiven oder schizophrenen Menschen Anzeichen für Entzündungsvorgänge gefunden worden.

    http://www.aerzteblatt.de/archiv/55693

  7. Pingback: Anonymous

  8. Beth meint:

    Ganz genau, Ingeborg! Das habe ich in meinem Buch ja auch beretis beschrieben, aber in den USA scheint mancher diese Zusammenhe4nge und diese Historie nicht zu kennen oder sie vergessen zu haben aber dazu im Laufe der Serie noch mehr!

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