Borreliose: Norwegischer Forschungsrat gibt zu: Wir wissen zu wenig!

Lyme Borreliose & Co-Infektionen – zu wenig Evidenz, aber viele  Meinungen – Stellungnahme zu den Europäischen Leitlinien der Neurologen/ Neuroborreliose

Kristin Mehre, Direktorin des norwegischen Forschungsrats räumt ein, dass man nicht genug über zeckenübertragene Infektionen wisse. In einem TV-Interview sagte sie, dass das Gesundheitsdirektorat in Norwegen inzwischen anerkennt, dass die Tests, mit denen in Norwegen zeckenübertragene Infektionen nachgewiesen werden sollen, unsicher und unzuverlässig sind. Es reiche nicht, diese Tests zu veranlassen, man müsse zusätzlich eine gründliche klinische Bewertung vornehmen, so Mehre vom Gesundheitsministerium gegenüber TV 2. Wir geben zu, wir haben zu viele chronische Krankheiten. Und wir wissen nicht, ob es sich dabei um Chronische Borreliose handelt, weil wir nicht wissen, ob es durch das Bakterium verursacht wird oder durch eine Reaktion auf die Infektion.

Borreliose – wir wissen zu wenig über die Langzeitfolgen

Des Weiteren wurde eingeräumt, dass man in Norwegen zu wenig über die Langzeitfolgen nach einem Zeckenstich weiß. Es gibt einfach immer noch nicht genug Wissen/Kenntnisse, um überhaupt eine generelle Empfehlung für jene mit Langzeiterkrankungen auszusprechen. Hier ein Kommentar von der Lyme Disease Action Facebook-Seite:

“Wenn die Menschen nur die wenigen Zeilen der Europäischen Leitlinien lesen, in denen vor 2 Jahren zu lesen stand: “Wir kennen weder das am besten geeignete Medikament, noch die Dosis, noch die Therapiedauer. EFNS Leitlinien basieren auf dem, was wir “gute Praxis” nennen, das heißt: es handelt sich um Verhalten, nicht um Evidenzen/Nachweise. Es wird Zeit, dass dies stärker zur Kenntnis genommen wird.”

Von der Lyme Disease Action Website:
EFNS (Europäischer Verband der Neurologischen Gesellschaften) November 2009 – “EFNS Leitlinien über die Diagnose und das Managment von Europäischer Lyme-Neuroborreliose“. Mygland A, Ljøstad U, Fingerle V, Rupprecht T, Schmutzhard E, Steiner I. Eur J Neurol. 2010;17:8-16.

 

Wichtige Punkte der Europäischen Leitlinien zur Diagnose und Behandlung von Europäischer Lyme-Neuroborreliose

- Die Leitlinien beziehen sich nur auf Neuroborreliose.

- Die Leitlinien enthalten Empfehlungen zur Therapie, weisen aber darauf hin, dass es zu wenige Europäische Therapiestudien gibt und kontrollierte Studien über die Therapiedauer!

- Die häufigsten Empfehlungen basieren auf Meinung, weil es schlichtweg an Nachweisen/Evidenzen fehlt.

- Es wird anerkannt, dass die Studien signifikante Therapie-versagerquoten zeigen, doch es gibt keine Empfehlung zur weiteren Behandlung.
Hier geht es zu den Leitlinien der EFNS: here 

 

Der norwegische Arzt Rolf Luneng vom Lyme Center: “Man hat noch nicht realisiert, dass chronische Borreliose wirklich ein Problem ist.”

Recherchiert und übersetzt von B. Jürschik-Busbach © 2012 

3 Kommentare zu Borreliose: Norwegischer Forschungsrat gibt zu: Wir wissen zu wenig!

  1. Anita Hohendorf- Kolbe meint:

    “Der norwegische Arzt Rolf Luneng vom Lyme Center: “Man hat noch nicht realisiert, dass chronische Borreliose wirklich ein Problem ist.””

    Wieviel Steine fallen einem vom Herzen, wenn man einen Arzt so etwas sage hört!
    Hoffentlich sind die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis genauso ehrlich und realistisch und hoffentlich werden Ärzte mit dieser, momentan doch leider noch Ausnahmemeinung, nicht irgendwie unterwegs vom Mainstream der Leugner eingefangen.

    • Thomas H. meint:

      Respekt vor den Aussagen von Frau Mehre, Direktorin des Froschungsrates über das zu wenig Wissen über die zeckenübertragenen Infektionen, über die unsicheren und unzuverlässigen Tests und das vor allem eine gründliche klinische Bewertung vorzunehmen ist.
      Respekt vor der Ausage des norwegischen Arztes Rolf Luneng vom Lyme Center.
      Eine Ausgangsbasis, um Forschung, Therapie und Anerkennung dieser Infektionserkrankung konsequent anzugehen.

  2. Christian D. meint:

    Super Artikel! Danke an den norwegischen Forschungsrat. Diese Aussage ist eine gute Basis, um endlich mal zu erkennen, welchem Leid die Patienten ausgesetzt sind, wenn sie nach den Leitlinien der Neurologen behandelt werden. Diese sind nämlich der Grund für die vielen chronischen Fälle. Schlechte Test und zu kurze und niedrig dosierte Therapien. Das ist ein Verbrechen!

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