Zeckenstich: Bartonellen – die neue Grenzlinie bei chronischen Erkrankungen

Neue molekulare Tests haben zu überraschenden neuen Forschungsergebnissen geführt, die zeigen, dass Bartonellen offenbar an rheumatologischen Erkrankungen beteiligt sind.

Vor kurzem wurden neue Forschungsergebnisse im Fachblatt Emerging Infectious Disease veröffentlicht, die eine Beteiligung zwischen einer Infektion mit Bartonellen und rheumatologischen Symptomen nahelegen. Die Forscher untersuchten 296 immunkompetente Patienten auf Anzeichen einer Bartonella-Infektion.

Bartonellen – verbreiteter als gedacht

Bakteriämie mit einem oder mehreren Bartonella-Spezies wurde bei (41 Prozent) der Patienten mit einer früheren Diagnose der Lyme-Borreliose (47 Prozent), Gelenkschmerzen/Arthritis (21 Prozent), chronischer Erschöpfung (20 Prozent) und Fibromyalgie (6 Prozent) gefunden. Diese Studie folgt Fallserien aus zwei Jahrzehnten medizinischer Forschung, die auf eine Beteiligung von Bartonella-Infektionen bei chronischen Krankheiten der Gelenke, des neurologischen Systems und Gefäßsystems verweisen.

Bartonellen sind sehr anspruchsvolle, immun-ausweichende, gram-negative Bakterien, die bereits auf sehr niedrigen Niveaus infektiös sind. Die herkömmlichen serologischen und Polymerase-Kettenreaktion (PCR)-Tests sind für die Bestätigung einer Infektion nur von begrenztem Wert. Möglich wurden diese neuen überraschenden Erkenntnisse durch eine neue Prüftechnik, die von Forschern der North Carolina State University (College of Veterinary Medicine/ NCSU-CVM) entwickelt wurde.

Volkstümlich sind Bartonellen als zentrale Akteure bei der Katzenkratzkrankheit und dem Schützengrabenfieber bekannt. Mit dem Auftreten von HIV/AIDS und neuer DNA-Tests wurden Bartonellen im Wesentlichen in den 1990er Jahren wiederentdeckt. Inzwischen kennt man über 25 Arten von Bartonellen, von denen 12 als pathogen für den Menschen dokumentiert sind. Viele verschiedene Tiere dienen als natürliche Wirte für diese Zoonosebakterien – die wichtigsten sind die Katze und Nager. Übertragen werden Bartonellen durch eine Reihe verschiedener Vektoren einschließlich Flöhe, Läuse, Zecken und Stechfliegen.

Bartonellen sind auch für immunkompetene Personen ein Problem

Bislang glaubte man, dass Bartonellen für Patienten mit geschwächtem Immunsystem lebensbedrohlich werden können; inzwischen zeigt sich, dass Bartonellen auch für immunkompetente Patienten problematisch sind. Wie sich herausstellt, sind Bartonellen auch ursächlich an einer kultur-negativen Endokarditis, an Osteomyelitis, Meningitis, Enzephalitis, Vaskulitis und Neuroentinitis beteiligt.

Zunehmende Falldaten zeigen, dass atypische Präsentationen der Katzenkratzkrankheit nicht annähernd so selten sind, wie bisher angenommen, ganz besonders bei Hochrisiko-Patientengruppen. Die Symptome können von wiederkehrendem Fieber, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Arthropathien, Myalgien, neurokognitiven und neuromotorischen Dysfunktionen, Krampfanfälle, Vaskulitis und Vaso-proliferative Tumore oder Läsionen bis hin zur häufigeren Lymphadenopathie und Splenomegalie reichen.

Bartonellen – ein Sicherheitsrisiko für Blutkonserven und Patienten

Eine Bartonellen-Infektion stellt ein ernstzunehmendes  Sicherheitsrisiko für die Blutversorgung in der Transplantationsmedizin dar und bei der Behandlung chronischer Krankheiten. Von besonderer Bedeutung sind Erkrankungen zu deren Therapieschemata die Immunsuppression gehört, einschließlich rheumatologische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Lupus, oder Organtransplantationen. Blutbanken müssen ebenfalls das Übertragungspotenzial von Bartonellen durch Bluttransfusionen berücksichtigen.

Empfehlungen für Ärzte:

Patienten mit hohem Risiko (z. B. Tierkontakt) und mit allgemeinen rheumatischen und neurologischen Symptomen sollten auf eine Bartonella-Infektion getestet werden.

Klinische Protokolle mit Immunsuppression, einschließlich Transplantation und Krebsbehandlungen weren sicherer, wenn man Patienten mit hohem Risiko für Bartonella-Infektion testet.

Beraten Sie Patienten über Routine-Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung von Tierbissen und Kratzer.

Die zunehmende Forschung über Bartonellen ist sehr überzeugend und die Notwendigkeit für eine klinische Forschung, die sich direkt mit der Rolle, die diese Bakterien bei der menschlichen und tierischen Gesundheit spielen, ist klar.

Der Bartonella ePCR ™ Test ist jetzt im Handel bei Galaxy Diagnostics erhältlich. Galaxy Diagnostics besitzt eine exklusive Lizenz von der BAPGM North Carolina State University. Weitere Informationen finden Sie unter www.galaxydx.com.

Recherchiert und übersetzt von B. Jürschik-Busbach © 2012 

Quelle: http://medmonthly.com/2012/07/bartonella-a-new-frontier-in-chronic-disease/

5 Kommentare zu Zeckenstich: Bartonellen – die neue Grenzlinie bei chronischen Erkrankungen

  1. Pit meint:

    Hallo

    Wie kommt man in den Genuss von den neuen Test ?

    Muss man das Blut nach Amerika schicken, oder gibt es bald so 1 Test auch in Deutschland.

    Danke Pit

    • Zeckenstich-Borreliose: Die verschwiegene Epidemie - 9 LEBEN Verlag meint:

      Hallo Pit,
      vermutlich kommt der Test mit Verzögerung zu uns nach Deutschland. Fragen kostet ja nichts, insofern könnte man ja mal bei einigne Laboren anrufen und nachfragen?!
      Viele Grüße

  2. Lupino meint:

    Lese das eben sehr interessiert. habe heute eine positiven bartonellenbefund in Zusammenhang mit der behandlung einer chronischen Neuroborreliose bekommen. Welche behandlungsstrategie empfehlen Sie mir?
    Herzliche Grüße, Lupino

Kommentieren?

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Folgende HTML-Tags können benutzt werden: <a href=""> <abbr title=""> <blockquote cite=""> <cite> <code> <em> <q cite=""> <strike> <strong>