Lyme-Borreliose: Aktuelle Forschungsprojekte

Wie wir wissen, tut sich zum Thema Borrelioseforschung in Deutschland leider nicht allzu viel. Umso interessanter ist es, mal über den großen Teich zu schauen. Welche Projekte werden dort gegenwärtig angegangen?

Solange man in Deutschland bzw. in Europa nicht ausreichend willens ist, zu erkennen, dass wir aufgrund der europäischen Borrelien-Heterogenität dringend eigene europäische Borrelioseforschung benötigen, schauen wir ja notgedrungen in die USA.

Gegenwärtige Forschungsprojekte zur Lyme-Borreliose

Die Lyme-Research Alliance fördert und finanziert vielversprechende Forschungsprojekte rund um Borreliose und assoziierte Erkrankungen.

Einen Zuschuss erhielt Dr. Robert E. Thach, Professor für Biologie an der Washington University in St. Louis, für seine Arbeit “Wirbeltiere als Reservoire für zeckenübertragene Krankheiten”. Laut Dr. Thach sind die zukünftige Entwicklung und Umsetzung von Strategien zur Kontrolle von zeckenübertragenen Erkrankungen davon abhängig, dass wir verstehen, wie diese Krankheit-produzierenden Organismen, die Zecken übertragen, in der Umwelt aufrechterhalten werden. Durch neuartige Analysen des Nymphenbluts, können die Quellen der vorherigen Blut-Mahlzeiten identifiziert werden. Dabei wurde das graue Eichhörnchen als bedeutendes Reservoir für die Lonestar Zecke, Amblyomma americanum, die sowohl Borrelia burgdorferi und Ehrlichia chafeensis überträgt, identifiziert. Wenn man die Träger infizierter Zecken entdeckt, wird man schließlich Mittel finden, um die Exposition des Menschen zu reduzieren. Dr. Thach konzentriert seine Arbeit nun auf die ebenfalls von Zecken übertragene Ehrlichiose. Ein wachsendes Problem im Mittleren Westen der USA.

Bessere diagnostische Tests

An der Columbia University ist man besonders daran interessiert,  bessere diagnostische Tests und bessere Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit chronischen persistierenden Symptomen zu finden. Dr. Brian Fallon nennt eines der Projekte, in dem man die Sensitivität und Spezifität des C6-Assay für Lyme-Borreliose bewertet. Eine Screening-Studie in der Bevölkerung fand im Frühjahr/Sommer 2009 statt und schloss sowohl Patienten mit typischen als auch atypischen Fällen von Lyme-Borreliose ein. Die Ergebnisse dieser Studie könnten dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit auf eine schnellere Borreliose-Diagnose und Behandlung zu erhöhen. Für weitere Informationen über das Zentrum, siehe www.columbia-lyme.org.

Bessere Behandlungen und Diagnostik bei Borreliose

Dr. Benjamin J. Luft, Professor für Medizin an der State University of New York (SUNY), Stony Brook, sucht nach besseren antibiotischen Therapien gegen Lyme-Borreliose, weil er weiß, dass Mikroben über Effluxpumpen in ihren Zellmembranen verfügen, mit denen sie Antibiotika und andere Toxine beseitigen können. Er hat die Resistenzmechanismen von Borrelia burgdorferi untersucht und prüft derzeit diagnostische Tests für Lyme-Borreliose, vor alle vor dem Hintergrund der unakzeptabel schlechten diagnostischen Tests, die bislang auf dem Markt angeboten werden.

Wie wird Lyme-Borreliose chronisch? Was hat es mit dem EM/der Wanderröte auf sich?

Dr. John Aucott, von der Research Foundation of Maryland, arbeitet an einer Langzeitstudie in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Johns Hopkins School of Medicine. Die klinische Forschergruppe untersucht den Verlauf der Infektion durch Bb und die daraus resultierende Krankheit von der ersten Wanderröte bis zum chronisch-persistierenden Stadium. Er möchte Risikofaktoren, Symptome und Erkrankungsschwere sowie die Reaktion des Immunsystems im Laufe der Zeit bei Patienten mit chronischer Lyme-Symptome untersuchen. Diese Studie wird parallel zu einer weiteren Studie in Zusammenarbeit mit Dr. Steven Schutzer durchgeführt. Die Gruppe untersucht per Hautbiopsien bei einem Erythema migrans (EM) nach dem Vorhandensein von Borrelien-Stämmen, die im Hinblick auf ihre  Virulenz und Infektiosität charakterisiert werden sollen.

Antineuronale Antikörper

Dr. Armin Alaedini, Assistant Professor of Neuroscience am Weill Medical College der Cornell University, forschte zur Relevanz und Rolle des körpereigenen Immunsystems bei chronischer Borreliose.  Um besser zu verstehen, was Patienten mit persistierenden Symptomen nach erfolgter Antibiose helfen könnte, analysiert Dr. Alaedini Blut und Rückenmarksflüssigkeit auf Antikörper gegen das körpereigene Nervengewebe.

Diagnostische Biomarker für persistierende Borreliose-Symptome im Gehirn und Nervensystem

Diese Studie wird von Steven Schutzer, MD, Professor für Medizin an der Universität für Medizin und Zahnmedizin von New Jersey, geleitet. Die Studie verwendet die modernsten Massenspektroskopie- und Proteinfraktionierungsmethoden in den Vereinigten Staaten. Er hat eine umfassende Liste von Proteinen im Liquor von gesunden Menschen zusammen gestellt. Das Gleiche tat er bei Menschen mit anhaltenden Borreliosesymptomen im Gehirn und Nervensystem. Durch fortschrittliche Proteomik hat Dr. Schutzer festgestellt, dass Patienten mit Borreliose-Enzephalopathie nach der Behandlung eine einzigartige Menge bestimmter Proteine in der Rückenmarksflüssigkeit aufweisen. Diese Proteine könnten eines Tages als Biomarker dienen. Die Analysen laufen noch.

Das Chronische Lyme-Borreliose-Syndrom verstehen

Dr. Karen Newell, u. a. wissenschaftliche Direktorin am CU Institut für Bioenergetik, und – ganz neu – an der Texas A & M University angegliedert, glaubt, dass der genetische Bauplan eines Individuums bestimmte Immuncharakteristika festlegt, die zur Eliminierung der Borreliose beitragen oder das Fortschreiten in eine chronische und persistierende Infektion begünstigen.

Bei gesunden Menschen sind Selbst-Peptide und/oder ihre präsentierenden Zellen in der Regel entfernt. Diejenigen mit einem genetischen Fingerabdruck, der die Entfernung dieser Selbst-Peptide nicht zulässt, neigen dazu eine auto-reaktive oder chronische entzündliche Immunantwort zu produzieren. Ihre Forschung beschäftigt sich mit dem Mechanismus, durch welchen unkontrollierte immunologische Reaktionen auf Infektionen zu chronischen Krankheiten oder Entzündungen führen. Die Ergebnisse der Newell-Forschung könnten der Schlüssel zur chronischen Lyme-Borreliose sein, glaubt sie. Dr. Newell hat nun ein Selbst-Peptid synthetisiert, um es mit dem endogenen Peptid zu vergleichen. Dieses synthetische Peptid könnte die erste Behandlung für chronische Borreliose sein. Eine “Pre-Investigational New Drug Application” ist nun bei der FDA anhängig.

Modell der chronischen Lyme-Borreliose

Dr. Ying Zhang, Professor für Molekulare Mikrobiologie und Immunologie an der Bloomberg School of Public Health an der Johns Hopkins University, konnte die Kultur von Borrelia burgdorferi in ihre L-Form reproduzieren. Die L-Formen unterscheiden sich  morphologisch und vielleicht auch chemisch von der Spirochäten-Form. Bei anderen Bakterien sind L-Formen für persistierende Infektionen bekannt. Mit dieser Kultur-Technik kann man die antibiotische Empfindlichkeit in vitro testen, was zu einer effektiveren antibiotischen Therapie führen könnte. Die Oberflächen-Protein-Analyse wiederum kann die Entwicklung von Impfstoffen oder die Behandlung gegen andere Borrelien-Infektionen ermöglichen.

Recherchiert und übersetzt von B. Jürschik-Busbach © 2012 

Quelle: http://www.lymeresearchalliance.org/research_projects.html

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