Zeckenstich – Borreliose. TV-Dokus. Stellungnahme einer engagierten Fachärztin für Kinderheilkunde/Jugendmedizin

Hier der offene Brief einer sehr engagierten Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin an den Redaktionsleiter des SWR-Odysso-Teams:

Südwestrundfunk
FS Wissenschaft
Redaktion Odysso
Redaktionsleiter Herr Helmut Riedl

 

Sehr geehrter Herr Riedl,

nachdem im Mai/Juni 2012 drei Beiträge zum Thema „Zecken-Borreliose“ gesendet wurden, obwohl es massive Proteste gab, sehe ich mich veranlasst erneut Protest einzulegen.

Zu den inhaltlichen Problemen der Fernsehbeiträge ihres Autoren Patrick Hünerfeld habe ich bereits Stellung genommen.

Entschieden verwahren will ich mich aber, gegen die Art und Weise der Darstellung.

In den Sendungen werden die Ärzte der Deutschen Borreliosegesellschaft, die sich verantwortungsbewusst und gewissenhaft ihrem ethischen Grundsatz verpflichtet fühlen, zu heilen als selbsternannte Experten, Borrelianer, private Meinungsäußerer und nicht zuletzt als Scharlatane und Quacksalber bezeichnet.

Die nach Auffassung von Herrn Hünerfeld nicht selbsternannten, sondern seit Jahrzehnten anerkannten Experten mit Titel, Rang und Namen beharren starr und unnachgiebig ständig auf demselben Standpunkt:

-          Borreliose ist harmlos

-          Borreliose im Frühstadium ist häufig selbstlimitierend

-          Borreliose ist allein durch den Antikörpernachweis   und bei Neuroborreliose durch den Liquor Befund bewiesen

-          Eine 14tägige höchsten 4wöchige antibiotische Behandlung ist ausreichend

-          Beschwerden die weiterhin bestehen hängen mit der Infektion nicht mehr zusammen

-          Chronische Verlaufsformen gibt es nicht

-          Wenn alles so einfach ist, weshalb sind dann Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Depressionen schon bei Jugendlichen, Schmerzsyndrome, Fibromyalgie, Rheumatismus, Altersdemenz häufig schon im mittleren Lebensalter, Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Asperger Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom, Burn out Syndrom sehr stark im Zunehmen begriffen und es gibt außer Schmerzmedikation, Immunsuppressiva und Psychopharmaka keine Medikamente?

Es ist nach meiner Auffassung unzulässig, eine Seite, die sich ernsthaft bemüht, Ursachen zu ergründen und wirksam zu behandeln, als kleine Gruppe mit nicht haltbaren Behauptungen darzustellen. Die andere Seite mit renommierten Experten wird als wissenschaftlich fundiert hervorgehoben.

Neben allem Verständnis für die Notwendigkeit wissenschaftlich zu arbeiten, muss ich entschieden auf die Praxis hinweisen: Ich habe in den zurückliegenden 10 Jahren 300 Kinder mit chronisch persistierender Borreliose und häufig auch zahlreichen Co-Infektionen behandelt.

Viele dieser Kinder hatten mit Fehldiagnosen bei Ärzten verschiedener Fachrichtungen und in Kliniken enttäuschende entmutigende Erlebnisse.

Bereits in meiner ersten Stellungnahme habe ich darauf hingewiesen, dass bei unseren Patienten die Erhebung der Anamnese, Erfassung der Symptome, die Untersuchung sowie eine umfangreiche Labordiagnostik erfolgen.

Die Therapie wird individuell auf jeden Patienten abgestimmt. Neben ausreichend hochdosierter häufig langfristiger antibiotischer Therapie beinhaltet sie Maßnahmen zur Durchblutungsförderung, Toxinausschwemmung, Darmsanierung, Unterstützung des Immunsystems, Physio- und wenn notwendig auch Psychotherapie. Ich kann und werde die Erfolge dieser Behandlungen zukünftig wissenschaftlich fundiert nachweisen.

Ich bin absolut nicht gegen einen wissenschaftlichen Meinungsstreit, aber mit Methoden bei denen beiden Seiten gleiche Achtung und Würde entgegengebracht wird.

Die Darstellung von Herrn Hünerfeld war einseitig und dem Ziel untergeordnet, die Deutsche Borreliosegesellschaft, die Selbsthilfegruppen und den Borreliose und FSME- Bund in Misskredit zu bringen.

 

Dr. med. Barbara Weitkus

Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin

Mitglied der Deutschen Borreliose-Gesellschaft

4 Kommentare zu Zeckenstich – Borreliose. TV-Dokus. Stellungnahme einer engagierten Fachärztin für Kinderheilkunde/Jugendmedizin

  1. eisentraud meint:

    Danke

  2. Bonin Petra meint:

    Auch von mir ein herzliches Dankeschön!

  3. Thomas H. meint:

    Liebe Frau Dr. Barbara Weitkus,
    ein herzliches Danke schön für Ihren offenen Brief an den Redaktionsleiter, Herrn Riedl und an das SWR-Team Odysso.

  4. Timo Knoblich meint:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich leide seit meinem 8. Lebensjahr an Lyme-Borreliose, habe Psychosen entwickelt, einen schulischen Absturz verkraften müssen und an Lebensfreude verloren!
    Chronische Borreliose gibt es, da bin ich mir sicher!
    Ich hoffe nur, dass bald eine Immunisierung möglich ist und mehr geforscht wird!
    Ich hege große Hoffnung, dass die S3-Leitlinie zur Klärung offener Fragen beitragen wird!

Kommentieren?

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Folgende HTML-Tags können benutzt werden: <a href=""> <abbr title=""> <blockquote cite=""> <cite> <code> <em> <q cite=""> <strike> <strong>