Borreliose: Zoonosenplattform erhält Förderzusage – Borrelioseforschung?

Stolz verweist die Universität Münster darauf,dass man dort jetzt die Arbeit der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen koordiniert und man eine Förderzusage des Bundesforschungsministeriums für weitere drei Jahre erhalten habe. Die Forschungsplattform ist ein Informations- und Servicenetzwerk für alle in Deutsch­land aktiven Arbeitsgruppen im Bereich der Zoonosenforschung. Sie hat mehr als 400 Mitglieder und vereint elf Forschungsverbünde unter ihrem Dach.

Das klingt beachtlich.

Wir wissen, Borreliose ist eine Zoonose, das heißt,diese Infektion wird von Tieren auf Menschen übertragen. Borreliose ist nicht irgendeine Zoonose – sie ist die bedeutendste Zoonose in Deutschland! Und so fragte eine engagierte Blog-Leserin gleich mal nach, wie es denn zur Forschung über Borreliose und Ko-Infektionen bestellt sei. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass man sich in der neuen Förderperiode “noch intensiver mit dem Ausland vernetzen und die klinische Infektiologie stärker einbeziehen” will.

Die Antwort kam prompt:

“Im Moment ist kein Forschungsverbund tätig, der sich mit der Lyme-Borreliose oder einer der genannten Co-Infektionen beschäftigt. Aktuell werden Untersuchungen zu Themen wie Toxoplasmose oder Influenza-A-Infektionen durchgeführt. Ich habe Ihnen aber zum Thema Lyme-Borreliose einen Auszug aus dem Bundegesundheitsblatt angehängt, der den Forschungsbedarf und den aktuellen Stand zum Thema darlegt. Der Artikel ist zwar von 2008, dennoch gibt es dort sicherlich wertvolle Tipps und Informationen, die Sie interessieren werden. Zudem ist eine Ansprechpartnerin am Robert-Koch-Institut in Berlin aus der Abteilung für Infektionsepidemiologie genannt, die Sie sicherlich auch noch einmal anschreiben können.”

Danke. Ja, den dringenden Forschungsbedarf, der 2008 festgestellt wurde, kennen wir inzwischen zur Genüge. Welchen Wert haben solche Aussagen, wenn sich an den Hochschulen so gut wie niemand für Borrelia burgdorferi s.l., Babesien etc.  zu interessieren scheint?


 

Ein Kommentar zu Borreliose: Zoonosenplattform erhält Förderzusage – Borrelioseforschung?

  1. Clara meint:

    Auf der zugehörigen Internetseite http://www.zoonosen.net ergeben sich bei der Suche nach ‘Borrelien’ immerhin zwei Treffer:

    1. Netzwerk “Nagetier-übertragene Pathogene” (NaÜPa-Net) => http://www.zoonosen.net/Projekte/Querschnittsprojekte/NaUePaNet.aspx
    Dauer: 01.10.2010 bis 30.9.2012

    2. Querschnittsprojekt: Monitoring Sylvatischer Zoonosen [hier vorwiegend Hantaviren] => http://www.zoonosen.net/Projekte/Querschnittsprojekte/MonitoringsylvatischerZoonosen.aspx
    Dauer: 01.02.2012 bis 31.1.2014

    Beide Seiten zeigen die Abbildung einer Rötelmaus. Man beschäftigt sich hauptsächlich mit den Reservoirwirten und den Vektoren (Überträgern).
    Diese Erfassung könnte zumindest im Hinblick auf die Verbreitung der Infektionen von Interesse sein.
    Zitat aus 1: “Hierzu zählen Erreger mit unklarem Übertragungsweg wie Coxiellen, bakterielle Durchfallerreger wie enterohämorrhagische Escherichia coli und Salmonellen. Auch Orthopockenviren, Vektor-übertragene Erreger wie FSMEV, Rickettsien, Borrelien, Babesien, Francisellen und Anaplasmen und von Nagetieren über Urin ausgeschiedene aerogen übertragene Erreger wie Hantaviren, Arenaviren und Leptospiren fallen darunter.”
    Zu den Kooperationspartnern dieses Projekts zählt auch der Parasitologe Prof. Dr. Franz-Rainer Matuschka (Charité).

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