NRW: Immer mehr Borreliose-Fälle – Meldepflicht?

Beharrlich weigert sich NRW, eine Meldepflicht für Borreliose einzuführen. Will man nicht wissen, wie groß oder klein das Problem ist?

Die Zahl der Borreliose-Neuerkrankungen nach einem Zeckenbiss nimmt in Nordrhein-Westfalen zu, berichtet DER WESTEN. Experten der Deutschen Borreliose-Gesellschaft führen dies auf die zuletzt wärmeren Sommer zurück. Dadurch gebe es auch in den hiesigen Regionen immer mehr Zecken, die die Krankheit übertragen können.

Die steigende Infektionsrate spiegeln wohl auch die steigenden Zugriffe auf die Leitlinien zur Diagnose und Therapie der Lyme-Borreliose der Deutschen Borreliose Gesellschaft wider.

Die Verunsicherung ist groß. Kein Wunder, es fehlt bislang eine qualitativ hochwertige Gesamtleitlinie zur Lyme-Borreliose (S3) der AWMF. Es gibt lediglich eine Leitlinie “Kutane Manifestationen der Lyme Borreliose” und eine zur Neuroborreliose.

Leitlinien zur Borreliose nach dem GOBSAT-Prinzip?

In der Borreliose-Doku des SWR-Teams um Hünerfeld kommen immer wieder Professor Rauer und Professor Hofmann zu Wort. Beide sind federführend an den AWMF-Leitlinien beteiligt, der eine für die “Neuroborreliose”, die andere für die “Kutane Manifestation der Lyme Borreliose”.

Was da allerdings bei beiden im stolzen Kleid einer “Leitlinie” daher kommt, ist gerade mal eine S1-Empfehlung. Der Begriff Leitlinie unterliegt keiner Normierung, daher können sie von höchst unterschiedlicher Qualität sein. S1 bedeutet nichts weiter als „von einer Expertengruppe im informellen Konsens erarbeitet“; in einer früheren Definition wurde die wissenschaftliche Legitimation einer S1-Leitlinie als “gering” bezeichnet. Man könnte auch sagen, solche Leitlinien entstehen durch das GOBSAT-Prinzip Good old boys sitting around a table. Entsprechend gering ist ihre methodische Qualität.

Das kritische Arznei-Telegramm schreibt: (…) Angesichts der anschwellenden Flut wissenschaftlicher Erkenntnis könnten Leitlinien dem praktizierenden Arzt Orientierung und Entscheidungshilfe bieten. Allerdings ist es dann nicht mit Anleitungen getan, die nach dem GOBSAT-Prinzip (“good old boys sitting around a table”) zusammengeschrieben werden. (…) AWMF und andere Gremien wären gut beraten, die vorhandenen Leitlinien nicht nur zu überprüfen, sondern diejenigen, die qualitativen Mindestanforderungen nicht genügen, unverzüglich aus dem Verkehr zu ziehen.”

S1-Leitlinien, wie die von Rauer und Hofmann beispielsweise, bergen am ehesten die Gefahr nach dem GOBSAT-Prinzip zustande zu kommen. Entsprechend ist ihre Qualität – merken wir uns das. Und so wundert es nicht, dass unter Medizinern ein Streit um Diagnose und Therapie der Krankheit tobt – zum Nachteil der Patienten, wie DER WESTEN schreibt. Dadurch könne „eine angemessene Behandlung der Betroffenen erschwert werden“, kritisiert der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU).
Wohl wahr!

 

 

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