Borreliose: Landesweite Befragung unter hessischen Forstangestellten – erschreckende Resultate

Im Rahmen des seit 2009 an der Hochschule Fulda durchgeführten  MüZe-Projekts, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell gefördert wird, fand eine landesweite Befragung des hessischen Forstpersonals statt.

Ziel der Befragung war es, aktuelle Informationen über die Zeckenexposition, Risikowahrnehmung und Umsetzung der Prävention bei Personen zu erhalten, die beruflich im Forst tätig sind. Die Ergebnisse der umfassenden Analyse dürfte angesichts der Zahl der Befragten auch in Teilen auf andere Bundesländer übertragbar sein.

Borrelioserisiko ist gestiegen

Im Schnitt waren die Befragten (n = 1400)zwischen 40 bis 49 Jahre alt, männlich, und seit über 15 Jahren im Forstbetrieb tätig. Auf die Frage, ob sich die Häufigkeit der Zeckenstiche im Laufe der Zeit erhöht habe, antworteten 53 % sie hätte sich erhöht. Das individuelle Risiko, an Borreliose zu erkranken wurde von 40 % als sehr hoch, von 36 % als hoch, von 17 % als mäßig und nur von 7 % als gering eingestuft.

Auf die Frage, ob sie im Bekanntenkreis jemanden mit Borreliose kennen würden, wurde von 86 % mit “ja, mehrere” beantwortet und 36 % waren bereits selbst an Borreliose erkrankt, bei weiteren 6 % war die Diagnose unsicher.

Diejenigen, die eine Erkrankung an Borreliose bejahten (270 Personen) wurden nach Symptomen befragt. 61 % klagten über Gliederschmerzen, 54 % hatten eine Wanderröte, 26 % Kreislaufbeschwerden und in einem offenen Fragefeld wurden noch Muskel- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen angegeben.

Fast die Hälfte der an Borreliose erkrankten und vermeintlich austherapierten Forstleute leiden immer noch unter Beschwerden

Rechnerisch manifestiert sich die Borreliose klinisch bei bis zu 1,4 % der Zeckenstiche; die Dunkelziffer dürfte aber wesentlich höher liegen, heißt es im Magazin “Forstpraxis”, “da viele akute Borreliosen oft unerkannt und ohne typische Symptome verlaufen, bis sie chronifizieren.” (sic!)

Weiter heißt es im Fachjournal: “Was jedoch alarmiert, ist das unerwartete Ausmaß der gesundheitlichen Probleme; nach den erhobenen Daten waren 27 % der hessischen Befragten schon 1 x bis mehrmals wegen Zeckenstich krankgeschrieben, 76 % bewerteten ihr Borreliose-Risiko hoch bis sehr hoch, 36 % hatten schon eine Borreliose und über 15 % litten zum Zeitpunkt der Befragung noch unter den Folgen einer Borreliose.”

Prävention?

Trotz der hohen Risikoeinschätzungen machten viele Befragte kaum Angaben zu ihren individuellen Präventionsmaßnahmen. Neben dem Tragen langer Hosen, heißt es in der Auswertung “während andere Maßnahmen wahrscheinlich als nicht relevant oder praktisch nicht umsetzbar empfunden werden und folglich als nicht beantwortungswürdig abgetan wurden. (…) Als wenig praktikabel scheint ebenso die häufige Verwendung von Insektensprays zu gelten.”

Lohnt sich der Eintrag eines Zeckenstichs ins sogenannte Verbandsbuch?

Auch das Thema “Verbandsbuch” barg interessante neue Aspekte:   64 % der Befragten gaben an, regelmäßig nach einem Zeckenstich einen Eintrag vorzunehmen. Trotz intensiver unterlassen 35 % der Befragten Mitarbeiter/-innen den Eintrag ins Verbandsbuch. Vermutlich zu Recht vermuten die Autoren der Befragung, dass die Forstbediensteten wohl denken, dass sich angesichts der hohen Stichfrequenz eine später auftretende Borreliose keinem bestimmten Zeckenstich zuordnen lässt. Damit aber greift formal gesehen der juristische Grundsatz, dass alles, was nicht schriftlich dokumentiert wurde, quasi auch nicht stattgefunden hat. Die Angabe eines infizierenden Stichs macht nur Sinn, wenn sich die Borreliose ans Lehrbuch hält und der Patient kurz darauf eine klassische Wanderröte entwickelt. Da dies nur bei circa 50 % der Infizierten passiert, sieht es für manchen Forstbediensteten – trotz Eintrag ins Verbandsbuch – juristisch und versicherungstechnisch schlecht aus.

Quelle: AFZ – Der Wald 10-11/2012, Arbeitshygiene;   http://www.forstpraxis.de/

Danke, lieber D. für den Hinweis! :-)

2 Kommentare zu Borreliose: Landesweite Befragung unter hessischen Forstangestellten – erschreckende Resultate

  1. Teresa meint:

    Hab ich als Nicht-Forstarbeiter überhaupt irgendeine Chance? Ich hab mit meinem Versicherungsvertreter, bei dem ich vor ca. 27 Jahren eine Unfallversicherung abgeschlossen habe, geredet, er hat gemeint, dass er noch nie so einen Fall mit Borreliose gehabt hat, dass ich das Datum des Zeckenbisses angeben müsse und Befunde beibringen.
    Da kann ich nur ungefähr das Bissdatum angeben (vor 8 Jahren im Sommer) und Wanderröte war keine – aber das kann ich weder beweisen noch das Gegenteil.
    Zählt jetzt die Beurteilung eines Arztes?
    Bin ratlos, fühle mich wieder mal hilflos.

    Lg, Teresa

  2. Hallo Teresa,

    ist die Krankheit Borreliose im Versicherungsvertrag gelistet?
    Wenn ja müssen wir den Zeckenkontakt beweisen.Wie Detektive müssen wir den genauen Zeitpunkt des Zeckenkontakts als sogenanntes Unfallereignis schriftlich bestätigen,die Zecke möglichst am Körper fotografieren. Wenn die eingeschickte Zecke im Zeckenlabor positiv auf Borrelien getestet ist und du eine Wanderröte nachweisen kannst,durch eine positive Serologie incl. Borreliose- Sympthomen die Krankheit über den Arzt bewiesen ist– DANN — JA NUR DANN kannst du auf eine Anerkennung der Versicherung hoffen.
    liebe Grüße Ingeborg

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