Lyme-Borreliose: Frequenz, Qualität und Kosten der Borreliosetests in Deutschland – neueste Studienergebnisse

In einer retrospektiven Modellanalyse wurden die Häufigkeit, die Qualität und die Kosten der Borreliosetests in Deutschland untersucht. Diese Studie, die die Kosten- und Krankheitslast untersucht, ist die erste ihrer Art in Deutschland. In Auszügen findet man hier eine Übersetzung und Zusammenfassung.

Unter Punkt 3.5 heißt es u.a.:

Die Analyse der Krankenkassendaten über die Labordiagnostik aller versicherten Individuen in 2007 ergab, dass insgesamt 164.634 UVPs für 94.699 Personen bestellt wurden. 27.362 Personen wurden mit weiteren 46.627 bestätigenden Immunoblots getestet. Nutzt man die Code-Daten führte dies zu Gesamtkosten für die serologische Borreliose-Diagnostik von 1.267.681,8 € (7.7 € /EIA) und 1.119.048 € (24 €)zur Bestätigung/Immunoblots.

Im Jahr 2008 wurden insgesamt 185.007 EIAs und 57.934 Immunoblots bei 112.150 und 35.002 Personen durchgeführt. Insgesamt beliefen sich die diagnostischen Kosten im Jahr 2008 auf 1.424.554 € für EIAs und 1.390.416 € für Western-Blots. Im gleichen Zeitraum wurden nur 15 Mal Kulturen von B. burgdorferi angelegt bzw. untersucht. In beiden Jahren erfolgte die höchste Anzahl von Tests im 2. und 3. Quartal des Jahres, was mit den höchsten Inzidenz-Diagnosen korrespondiert. Unter der Annahme, dass unsere Versicherungsprobe (7,4% der deutschen Bevölkerung) repräsentativ für die gesamte deutsche Bevölkerung von ungefähr 82 Millionen [23] ist, wären in den Jahren 2007/2008 durchschnittlich 213.913 Neuerkrankungen zu erwarten gewesen, aber tatsächlich wurden 2.362.439 EIAs und 706.493 Western Blots durchgeführt, was zu einem Preis von 35.146.617 € für diagnostische Tests führte.

Korrigiert man diese Kosten um die relativ höheren Rückerstattungen für Laborkosten (EIA 23,46 €, Blot 53,62 €) für die bekannten 10,5 % der privat Krankenversicherten, würden die durchschnittlichen jährlichen Kosten noch höher, bei 41.253.240,24 € liegen. Darüber hinaus wurden 283.912 Behandlungen durchgeführt, die zu 9.961.865 € Kosten für antibiotische Therapien führten.

Extrapoliert man die Ergebnisse aus der Kohorte auf die gesamte Bevölkerung Deutschlands, kommt man bei dieser eher konservativen Berechnung auf 1.397.628 getestete Personen wegen des Verdachts auf LB und auf jährliche Gesamtkosten von € 51.215.105,24 für Diagnostik und Therapie. Konzentriert man sich im Gegensatz dazu auf Borreliose-Neuerkrankungen, werden durchschnittlich 213.913 Personen jährlich mit 285.165 EIAs und 170.646 Blots getestet, was zu 6.291.290 € an Diagnostikkosten führt.

(…) Diese Kalkulation bedeutet jährlich notwendige Kosten von nur 14.908.846,67 @ für die Diagnose und Behandlung von Borreliosepatienten in Deutschland. Das zeigt eine signifikante Lücke zwischen den Kosten für die angegebene Diagnose und die hohen Kosten, die sich aus weniger selektiven Gesundheitsleistungen für die Bevölkerung als Ganzes ergeben. (…)

Ähnlich wie in den Vereinigten Staaten (USA) mit 20.000-30.000 LB Fällen jährlich [28], ist LB eine wichtige, sehr häufige einheimische Infektionskrankheit in Deutschland und Europa [8]. Obwohl eine hohe Morbidität angesichts der hohen Fallzahlen und dem potenziell langwierigen Verlauf zu erwarten ist, hat man bislang nur geringe Anstrengungen unternommen, um den epidemiologischen und finanziellen Einfluss der LB auf das deutsche Gesundheitssystem zu untersuchen. Das Fehlen der Gesundheitsdaten ist auffällig, wenn man LB mit anderen häufig vorkommenden Infektionskrankheiten wie ambulant erworbener Pneumonie oder nosokomialen Infektionen vergleicht und ist möglicherweise den erhältlichen antimikrobiellen Therapiemöglichkeiten und der fehlenden Mortalität geschuldet. Solche Untersuchungen fehlen ebenso in den meisten Teilen Europas, was es schwierig macht, die wahre Dimension der zugrundeliegenden medi-ökonomischen Last einzuschätzen.

Da offizielle Zahlen für weite Teile Deutschlands fehlen, ergab die Meldepflicht für 2007 und 2008 5.624 jährliche Inzidenzfälle (meistens Erythema migrans) in den sechs neuen Bundesländern. Extrapoliert auf die Gesamtbevölkerung bedeutete dies geschätzte 27.958 Neuerkrankungen jährlich für Gesamtdeutschland. Das spricht stark für eine erhebliche Dunkelziffer, selbst wenn man das mit den häufig zitierten 60.000 bis 100.000 neuer LB-Fälle vergleicht. (…) Daher haben wir einen anderen Ansatz (retrospektive Datenanalyse 2007 und 2008 bei einer Kohorte von 6.042.351 Personen von DAK-Versicherten) genutzt, um die Inzidenz und Prävalenz der LB in Deutschland schätzen zu können. (…) Obwohl die Extrapolation der Zahlen zu einer Überbewertung wg. klinischer Fehldiagnosen oder falscher Codierung führen könnte, zeigen unsere Ergebnisse eine jährliche Inzidenz von 213.912  LB-Fällen. Das könnte bedeuten, dass es mehr LB-Fälle in Deutschland gibt, als bislang in der verfügbaren Literatur veranschlagt wird. (…)

Diese Studie wurde mit finanzieller Hilfe von INSTAND e. V., Düsseldorf und dem BMBF durchgeführt.

Recherchiert und übersetzt von B. Jürschik-Busbach © 2012

Wer möchte, kann den Text der Studie in Google-Übersetzer eingeben, um sich so wenigstens einigermaßen den Sinn der Inhalte übersetzen zu lassen.

Hier geht’s zur Studie: http://www.hindawi.com/journals/cdi/2012/595427/ und hier zum Google-Übersetzer: www.translate.google.de/

 

Kommentieren?

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Folgende HTML-Tags können benutzt werden: <a href=""> <abbr title=""> <blockquote cite=""> <cite> <code> <em> <q cite=""> <strike> <strong>