Borreliose: IDSA-Leitlinien – Der Fall schafft es in ein juristisches Fachjournal. Teil 2

Präzendenzfall – kartellrechtliche Untersuchung der Lyme-Borreliose-Leitlinien – Jura-Fachjournal

Teil 1 verpasst? Hier geht es zum 1. Teil des Berichts über den US-Fachartikel in der Conzaga Law Review.

Fortsetzung:

(…) Es scheint, dass die IDSA-Leitlinienautoren den Leitlinienentwicklungsprozess bewusst so gestaltet haben, dass konkurrierende Ärzte, z. B. solche, die nicht der 30-Tage-IDSA-Therapie folgen oder solche, die ihre eigene Vorgehensweise bei der Diagnostik und Therapie verfolgen, von der Behandlung Borreliosekranker ausgeschlossen werden. Ein solcher Ausschluss hat kartellrechtliche Auswirkungen, da einige Leitlinienautoren ein finanzielles Interesse am Resultat des Leitlinienprozesses hatten.

Juristisch betrachtet, haben die IDSA-Leitlinien den Patienten die Wahl der Therapie genommen

Die 2006 IDSA-Leitlinien limitieren wirksam die Möglichkeit eines Patienten, medizinische Hilfe zu erhalten und eliminiert die Wahl des Patienten, wie er therapiert wird. Hinzu kommt, dass die 2006er-Leitlinien die Existenz einer chronischen Borreliose verneinen und eine antibiotische Langzeittherapie verdammen.

IDSA hätte die Patienten über die bestehende Kontroverse zur Diagnostik und Therapie der Borreliose informieren müssen

Die IDSA hätte stattdessen die Patienten informieren müssen, dass es unter Medizinern eine Kontroverse darüber gibt, ob Borreliose chronisch werden kann, oder nicht und man hätte den Meinungsstreit darlegen und erklären müssen, schreiben die Juristen. Ebenso hätte man die Patienten warnen können, welche Bedenken man bei einer antibiotischen Langzeittherapie habe. Solche Informationen würden es dem Patienten erlauben, eine Entscheidung über seine Therapie zu treffen, die auf Informationen basiert. (…) Außerdem zeigten die Fakten, dass der Leitlinien-Entwicklungsprozess nicht fair, offen und unverzerrt verlaufen ist.

Die Leitlinienautoren haben den Leitlinienprozess missbräuchlich und unangemessen beeinflusst …

- indem sie sich weigerten bedeutende Informationen zu berücksichtigen

- indem sie Wissenschaftler mit divergierender Meinung ausschlossen

- indem sie von ihren Autoren noch nicht einmal eine Erklärung über eventuell vorhandene Interessenskonflikte verlangten

- und sogar indem sie ihre eigenen Prozessregeln verletzten, als es um die Ernennung der Leitlinienautoren ging.

Außerdem verzerrten die Autoren den Leitlinienprozess durch ihre finanziellen Interessen bei Borreliosetests und Beratungsarrangements mit Versicherungen.

Aufgrund der IDSA-Leitlinien haben Menschen mit Verdacht auf Lyme-Borreliose oder bestätigter LB und Ärzte, die bereit waren/sind, die Borreliose zu behandeln große Schwierigkeiten.

Die Leitlinien üben einen starken Einfluss auf die Diagnose und Therapie der LB aus. Medizinische Leitlinien sind extrem machtvoll, weil sich Ärzte und Patienten darauf stützen, um Behandlungsoptionen zu besprechen und weil Versicherungen sie für die Festlegung ihrer Deckungssumme heranziehen. Folglich ist es unerlässlich, dass die Entwicklung von Leitlinien fair, offen und frei von Interessenskonflikten sein muss.

Darüber hinaus muss der Prozess auf den verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Obwohl Senator Blumenthal kein Kartellverfahren gegen die IDSA anstrengte, zeigen die Untersuchung und Überprüfung, dass andere medizinische Gesellschaften ebenfalls zum Gegenstand einer kartellrechtlichen Untersuchung werden können.

Alle medizinischen Gesellschaften sollten überprüfen, ob ihre Leitlinienprozesse vor unzulässiger Beeinflussung schützen

Alle medizinischen Gesellschaften sollten, um kartellrechtliche Untersuchungen zu vermeiden, überprüfen, ob ihre Prozesse bei der Leitlinienentwicklung angemessen vor unzulässiger Beeinflussung oder Bias (Verzerrungen) schützen. Genauer gesagt, sollten sie prüfen, ob ihre Leitlinien in offener, fairer und nachvollziehbarer Weise entwickelt werden, unter Berücksichtigung aller relevanten wissenschaftlichen Evidenzen.

Medizinische Gesellschaften sollten ihre Leitlinienautoren auf unveröffentlichte Interessenkonflikte prüfen

Darüber hinaus sollten die medizinischen Gesellschaften prüfen, heißt es in dem Artikel, ob ihre Leitlinienautoren Interessenskonflikte haben, bzw. unveröffentlichte finanzielle Interessen verfolgen, die in unsachgemäßer Weise beeinflussen und sie gegenüber dem Leitlinienergebnis voreingenommen machen.

Recherchiert und übersetzt von B. Jürschik-Busbach © 2012


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