Lyme-Borreliose: Skurrile Argumentation und fehlender politischer Wille …

Heute erreichte mich ein Schreiben aus einem Abgeordnetenbüro: “Skeptisch stehen wir bislang allerdings einer Meldepflicht auf Landesebene gegenüber. Da es sich bei Borreliose um eine Krankheit handelt, die ausschließlich vom Tier zum Menschen übertragen wird, erscheint aus Gründen des Infektionsschutzes eine Meldepflicht nicht erforderlich. Soweit sie aus Forschungszweigen für notwendig gehalten wird, fällt dies in die Regelungskompetenz des Bundes. Die CDU-geführte Landesregierung hat sich dementsprechend insbesondere gegenüber dem Bundesgesundheitsministerium mit Nachdruck für eine bundesweite Meldepflicht stark gemacht. Diese Initiative ist letztlich aber leider ohne Erfolg geblieben.”

Was schrieben die Experten des Robert Koch-Instituts im Bundesgesundheitsblatt?

“Eine Verbesserung der Datenlage zur epidemiologischen Situation der Lyme-Borreliose in Deutschland ist notwendig, und mögliche Ansätze hierzu wären die Einführung einer deutschlandweiten Meldepflicht der Lyme-Borreliose (…)  Eine Ausweitung der Meldepflicht durch eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) hätte den Vorteil, dass repräsentative Aussagen über die geografische Ausbreitung der Lyme-Borreliose getroffen und langfristige Tendenzen beobachtet werden könnten. Damit stünden Daten zur Verfügung, die notwendig sind, langfristige realistische Gesundheitsziele zu formulieren und Analysen zur Wirkung und Wirksamkeit von Interventionen zu ermöglichen.” Hier nachzulesen: http://www.rki.de/cln_109/nn_466802/DE/Content/InfAZ/B/Borreliose/Lyme-Borreliose__Bgbl__1108,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Lyme-Borreliose_Bgbl_1108.pdf

Wie hieß es noch unlängst noch aus dem Bundesgesundheitsministerium?

“Die auf dem interdisziplinären Expertentreffen im Jahr 2008 formulierten Forderungen sind immer noch aktuell. Richtig! Und warum dann keine bundesweite Meldepflicht, die ja zu den Forderungen gehört?

Die widersprüchliche Argumentation lässt sich steigern. Aus dem Abgeordnetenbüro verlautbart man weiter: “Skeptisch stehen wir bislang allerdings einer Meldepflicht auf Landesebene gegenüber. Da es sich bei Borreliose um eine Krankheit handelt, die ausschließlich vom Tier zum Menschen übertragen wird, erscheint aus Gründen des Infektionsschutzes eine Meldepflicht nicht erforderlich.” Das ist herrlich skurril. Das FSME-Virus wird vom Tier zum Menschen übertragen, nicht von Mensch zu Mensch, FSME ist meldepflichtig. Coxiella burneti (Q-Fieber) wird ebenfalls vom Tier auf den Menschen übertragen und ist meldepflichtig. Noch Fragen?

Widersprüche, bizarre Argumentation, fehlender politischer Wille. Soll der Mangel an Studien, Forschung und Daten in absehbarer Zeit gar nicht behoben werden?

Liebe Politiker, nach der Wahl ist vor der Wahl. Wir werden uns an diesen fehlenden politischen Willen erinnern – spätestens vor den nächsten Wahlen!

Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Beauftragter_der_Bundesregierung_f%C3%BCr_die_Belange_der_Patientinnen_und_Patienten

 


 

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