Lyme-Borreliose: Forschungsbedarf trifft auf Wirklichkeit – Antworten aus den Bundesministerien

Inzwischen liegen mir Antworten aus dem Bundesgesundheitsministerium und dem Bundesforschungsministerium zum Thema Forschung zur Lyme-Borreliose vor. Wer sich noch einmal die Dokumente anschauen möchte, auf die sich die Anfragen bezogen, klickt bitte hier: http://www.verschwiegene-epidemie.de/2011/10/borreliose-forschungsbedarf-und-forschungsansatze/

Während man im Bundesgesundheitsministerium versichert,”dass hinsichtlich der Lyme-Borreliose weiterhin ein großer Forschungsbedarf besteht und diesbezügliche Untersuchungen durchaus intensiviert werden können” und “die auf dem interdisziplinären Expertentreffen im Jahr 2008 formulierten Forderungen immer noch aktuell” sind, scheint man das im Bundesforschungsministerium ganz anders zu sehen.

Dort heißt es, auf die Frage, warum sich die häufigste public health-relevante Zoonose, Lyme-Borreliose, mit keinem Projekt auf der Nationalen Zoonosen-Forschungsplattform vertreten ist, es sei ein Antrag zu Borreliose eingegangen. Da man Prioritäten setzen  muss, sollte sich die inhaltliche Ausrichtung der Forschungsverbünde schwerpunktmäßig darauf konzentrieren, die Übertragung relevanter zoonotischer Erreger vom Tier auf den Menschen zu erforschen. Achtung, jetzt kommt’s: “Leider standen der Aspekt der Transmission des Erregers vom Tier auf den Menschen und der Aspekt der Borrelien als Zoonose nicht im Fokus des geplanten Verbundes.” Der Antrag erhielt insofern keine so hohe Priorität, damit ein ausreichendes Bundesinteresse an einer Förderung … Daraus ergibt sich als nächstes die Frage, welchen Schwerpunkt hatte der eingereichte Borreliose-Antrag?

Erst kürzlich fand das 1. Nationale Symposium für Zoonosenforschung 2011 in Berlin statt. Über 350 nationale und internationale Wissenschaftler tauschten sich in 62 Vorträgen und 100 Postern sowohl aus Deutschland als auch aus der Schweiz, dem Nahen Osten, Asien und Westafrika über neue Forschungsergebnisse zur Diagnose, Therapie, Überwachung und Risikoeinschätzung von Zoonosen aus. Neben neu aufgetretenen Erregern und den mittlerweile klassischen Themen wie Influenza, Tollwut, Toxoplasmose und antibiotikaresistenten Bakterien stand auch der EHEC-Ausbruch 2011 in Deutschland auf dem Programm. Sie haben richtig gelesen: Von Borrelia burgdorferi war nicht die Rede.

Beispiele der Forschungsthemen:

http://www.zoonosen.net/NewsundPresse/articleType/ArticleView/articleId/962/Usutuvirus-in-toter-Amsel-entdeckt.aspx

http://www.zoonosen.net/NewsundPresse/articleType/ArticleView/articleId/955.aspx

Inzwischen beginnt auch die Arbeit am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. Ob Forschung zu Borrelia burgdorferi und Lyme-Borreliose stattfinden wird, bleibt abzuwarten. Für die Aufnahme neuer Förderschwerpunkte gelten jedenfalls folgende Bewertungskriterien:

  • Gesellschaftlicher Bedarf: Morbidität und Mortalität, d. h. wie viele Menschen sind von einer Krankheit betroffen und wie viele Menschen sterben an ihr?

Da dürfte Lyme-Borreliose ohne bundesweite Meldepflicht und belastbare Daten wohl leer ausgehen…

  • offenkundige Versorgungslücken, zu deren Schließung Forschung beitragen kann
  • volkswirtschaftliche Bedeutung

Zumindest dieser Punkt müsste an Borreliose gehen. Warten wir die Untersuchungen der Universität Jena ab. Weitere Infos zu diesem Projekt: http://www.verschwiegene-epidemie.de/2011/06/uni-jena-untersucht-die-kosten-und-krankheitslast-bei-borreliose/

  • Auswirkungen auf die Effizienz und Effektivität des Gesundheitswesens
  • wissenschaftliche und technische Innovationskraft

Na ja, mit Lyme-Borreliose wird man wissenschaftlich vermutlich nicht groß punkten können, oder?

  • Potenzial zur Stärkung der Spitzenforschung
  • wirtschaftlicher Nutzen insbesondere zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen sowie
  • ethische und rechtliche Anforderungen und Konsequenzen

Hier findet man übrigens die Liste derjenigen, die u. a. über Forschungsschwerpunkte und -projekte entscheiden: http://www.bmbf.de/pubRD/gutachterliste_gesundheitszentren.pdf

Vielleicht möchte der ein oder andere ja ein paar Fragen stellen? :-)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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