Ängste, Panikattacken? Experten: Zeckenbiss kann psychiatrische Beschwerden auslösen

Infektionen, die durch Zeckenstiche übertragen werden, verursachen nicht nur schmerzende Gelenke und geschwollene Knie. Einige rufen psychiatrische Krankheitsbilder hervor, die häufig unbehandelt bleiben, da die Ursache nicht bekannt ist, sagen Experten.

Die durch einen Zeckenstich verursachte Lyme-Borreliose ist eine multi-systemische Infektion. Typisch für sie ist das Kommen und Gehen der Symptome. Borreliose wird nicht immer erkannt oder effektiv früh behandelt – kein Wunder, dass diese Krankheit weiter auf dem Vormarsch ist, siehe auch:
http://www.verschwiegene-epidemie.de/2011/10/borreliose-imitiert-psychiatrische-krankheitsbilder-bei-38-psychisch-erkrankter-europaer-eine-vernachlassigte-gefahr/

Inzwischen erkennen Forscher, dass zeckenübertragene Infektionen Panikattacken und psychische Störungen auslösen können

Der Psychiater, Dr. Robert Bransfield, Präsident der ILADS und Vizepräsident der New Jersey Psychiatric Association, erklärt: “Nachdem wir tausende von Patienten mit zeckenübertragenen Krankheiten in den letzten 20 Jahren behandelt haben, stellen wir fest, dass wir besonders bei Vorliegen von Ko-Infektionen immer häufiger psychiatrische Symptome beobachten.”

Zu den Ko-Infektionen, die am häufigsten sind, gehören Babesiose, eine malaria-ähnliche Infektion, die Fieber, Nachtschweiß und Anämie verursachen kann, Bartonellose (Katzenkratzkrankheit), eine bakterielle Infektion, die Fieber, Kopfschmerzen und Hauterscheinungen verursacht. Ko-Infektionen sind sehr häufig die Ursache für Panikattacken und Angstgefühle. Diese multiplen Infektionen sind sehr häufig, in geschätzten 30 Prozent aller Fälle.

Dr. Bransfield, der auch stellvertretender Direktor der Psychiatrie anm Riverview Medical Center in New Jersey ist, weist darauf hin, dass 240 wissenschaftliche, peer-reviewed Artikel einen Zusammenhang zwischen Lyme-Borreliose und anderen zeckenübertragenen Infektionen und psychischen Erkrankungen nachweisen. Beispiel: Eine Studie, die 2005 in The Clinical Journal of Pain veröffentlicht wurde, zeigt, dass Patienten mit Panikattacken auch andere Symptome aufwiesen, wie Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Gelenkschmerzen, wandernde Schmerzen, “Gehirn-Nebel” u. v. m. – die nicht typisch für Standard-Panikattacken sind, aber durchaus zum Beschwerdespektrum der Borreliose gehören. Diese Patienten hatten positive Borreliose und Babesiose-Tests (Babesiosefälle sind im Steigen begriffen, genauso wie Borreliose) – nach einer antibiotischen Behandlung beider Erkrankungen verschwanden bei den Patienten die Panikattacken.

Eine andere Studie, 1994 im American Journal of Psychiatry veröffentlicht, fand heraus, dass 40 Prozent der Borreliosepatienten neurologische Beeinträchtigungen entwickelten – die teilweise erst Monate oder sogar Jahre nach einem Zeckenstich in Erscheinung traten. Zu den psychiatrischen Reaktionen gehörten nicht nur Panikattacken, sondern auch bipolare Störungen, Schizophrenie, Demenz – aber auch:
Zwangsstörungen, Magersucht und Depression.

“Viele der psychiatrischen Symptome der Borreliose und anderer zeckenübertragener Infektionen werden durch Immunmechanismen hervorgerufen”, sagt Dr. Bransfield und fügt hinzu, dass bei Borreliosepatienten das Immunsystem außer Kontrolle gerät. Darüber hinaus können Infektion und Stress das Immunsystem schwächen und chronische Entzündungen provozieren, die wiederum mit psychischen Störungen in Verbindung gebracht werden. Letzten Endes sollten Infektiologen, Immunologen und Psychiater mehr zusammen arbeiten, meint Bransfield.

Was bedeutet das?
Zeckenübertragene Infektionen können Menschen, bildlich gesprochen, über die psychologische Klippe springen lassen. Obwohl andere durch Insekten übertragene Infektionen, wie z. B. das Westnil-Virus, stärker in den Schlagzeilen sind, laufen Menschen in Wirklichkeit viel eher Gefahr, durch Zecken krank zu werden. 2007 gab es in den den USA 720 Fälle von Westnil-Virus, während es 40.000 Fälle von Borreliose gab. (Borreliose-Experten glauben, dass die Borreliosezahlen noch sehr viel höher sein könnte, weil Tests unzuverlässig sind und die Krankheit häufig falsch-negativ im Ergebnis ist).

Wer unter Ängsten und Panikattacken leidet, sollte eine Infektion mit Borrelia burgdorferi plus etwaigen Ko-Infektionen in Erwägung ziehen

Viele Menschen erinnern sich weder an einen Zeckenstich, noch an eine Zecke oder Wanderröte. Typische andere Symptome sind Müdigkeit, Fieber, Schüttelfrost, Herz- und/oder neurologische Probleme.

Übersetzt und recherchiert B. Jürschik-Busbach © 2011

Mehr darüber: http://www.rodale.com/lyme-disease-panic-attacks?page=0%2C1

 

 

2 Kommentare zu Ängste, Panikattacken? Experten: Zeckenbiss kann psychiatrische Beschwerden auslösen

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  2. Timo Knoblich meint:

    Ich hatte als Kind ein Erythema chronicum migrans nach Zeckenstich, nun als Teenager bin ich psychisch krank, habe Hirnleistungsstörungen entwickelt und habe keine berufliche Perspektive mehr!

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