Borreliose: Was es kostet, zu leugnen, dass Borreliose chronisch wird

Die Kosten einer Infektion beinhalten medizinische und soziale Kosten. Versicherungen tragen normalerweise die medizinischen Kosten, die Gesellschaft trägt die sozialen. Vor diesem Hintergrund macht es jedoch wenig Sinn, wenn Versicherungen Geld sparen, indem sie für die Therapie einer schwerwiegenden Infektion nur 28 Tage zahlen, da Borreliose ja nach Ansicht der US-amerikanischen IDSA-Leitlinienautoren nicht chronisch werden kann – während die Gesellschaft die dadurch entstehenden nicht-medizinischen Kosten (Frühverrentung, Arbeitslosigkeit, Unproduktivität u. v. m.) auf das Doppelte und Dreifache bezahlen muss. Es wird versucht, das Problem zu individualisieren. Doch die Kosten trägt nicht nur der krankbleibende Einzelne. Die Kosten einer zu spät und zu kurz durchgeführten Therapie trägt die ganze Gesellschaft.

Im Artikel von Dr. Cameron „Proof that Chronic Lyme Disease exists“, wird auf die Prävalenz von 34 % der Borreliosekranken in Massachusetts und auf gesellschaftliche Kosten von 203 Millionen US-Dollar für gemeldete CDC-Fälle im Jahr 2002 verwiesen. Nimmt man an, dass ja die Fälle pro Jahr mindestens um das Zehnfache höher ausfallen, als gegenwärtig den CDC gemeldet werden, landet man bei Kosten in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar jährlich (sic!). Hier geht es definitiv nicht mehr um irgendein Problem – hier geht es inzwischen um das Problem!

Borreliose: Der weltweite Markt für Lyme-Borreliose-Therapeutika

Marktanalysen der Firma GlobalData zum Umsatzpotenzial von LB-Medikamenten kommen lediglich auf 2,2 Mio US-Dollar für das Jahr 2009. Der Grund für diesen limitierten Markt: Es gibt kaum spezifisch für LB zugelassen Medikamente.

Gegenwärtig werden Antibiotika wie Doxycyclin, Cefuroxim und Amoxicillin  verschrieben. Deren Patente sind längst abgelaufen, selbst die Generika sind inzwischen derart preiswert, dass sich ihre Herstellung kaum lohnt.

Im Jahr 2009 wurden durchschnittlich 81 US-Dollar pro Jahr für die antibiotische Therapie einer Borreliose ausgegeben. Zwischen 2001 und 2009 wuchs der Markt der Borreliosetherapeutika nur um 6,1 %. Die Pipeline für die Behandlung des Spätstadiums der Borreliose ist sehr schwach und besteht nur aus Antibiotika, die gegenwärtig als Medikamente für den off-label-Gebrauch genutzt werden. Daher werden diese Therapeutika, selbst wenn sie zugelassen werden, kaum einen Einfluss auf den Markt im Hinblick auf Verkaufswert oder Marktvolumen haben. Insgesamt, zwischen 2009 und 2017, wird der Borreliosemedikamentenmarkt nur um 4,8% wachsen, d. h. nur auf maximal 3,2 Mio. US-Dollar bis 2017.

Der 2,2 Mio. US-Dollar-Markt, den GlobalData identifiziert, basiert auf Annahmen. Wer die gemachten Annahmen lesen und validieren will, muss den 2.000 Dollar-Bericht kaufen. Beispielsweise könnte es möglich sein, dass die Annahmen nur auf der Anzahl der von den IDSA-Leitlinien empfohlenen Behandlungstagen und den gemeldeten CDC-Fällen basieren. Beide Annahmen könnten falsch sein, da viele Patienten, insbesondere jene mit chronischer Borreliose, häufig länger behandelt werden und weil die CDC-Meldefallstatistik die Anzahl der Borreliose um mindestens das Zehnfache unterschätzt. Eine Analyse von Zhang (X. Zhang, M. I. Meltzer, C. A. Pena, A. B. Hopkins, L. Wroth, and A. D. Fix, “Economic impact of Lyme disease,” Emerging Infectious Diseases, vol. 12, no. 4, pp. 653–660, 2006) ergab, dass die Behandlungskosten für Borreliosepatienten im Frühstadium bei 1.310 US-Dollar lieen, bei Patienten mit Borreliose im späten Stadium dagegegen bei 16.100 US-Dollar.

Ob die IDSA-Leitlinienautoren darüber einmal nachgedacht haben?

Übersetzt und recherchiert B. Jürschik-Busbach © 2011

 

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