Chronische Borreliose – erschütternder Kampf einer Mutter um ihren Sohn – Teil 1

Mich erreichen seit Wochen Krankengeschichten und Schilderungen, die einem das Herz schier zerreißen wollen. Eine ganz besonders ergreifende Geschichte möchte ich hier mit der Erlaubnis der Betroffenen veröffentlichen. Der Text stammt von Alice Hulscher, sie ist Niederländerin und ich bewundere, dass sie unsere Sprache so gut beherrscht. Ihr Bericht ist lang, so dass ich heute mit Teil 1 beginne und in den nächsten Tagen Teil 2 folgen wird. Auf YouTube sind Mutter und Sohn kurz zu sehen (Achtung – ist ein niederländischer YouTube-Beitrag!) Ongehoord Lijden: de film over teken, ziekte van Lyme (borreliose) Stop de Teek

Chronische Borreliose – erschütternder Kampf einer Mutter

 

Die Mauern von Jericho

Als Mutter eines Sohnes mit chronischer Lyme-Neuroborreliose schreibe ich diesen Artikel im Wissen, dass mehr Eltern mit ähnlichen immensen Sorgen und Problemen kämpfen. Es ist höchste Zeit, dass jemand damit nach Außen tritt. Sie können an den Fingern abzählen, dass in den kommenden Jahren mehr und mehr Kinder und ihre Eltern mit den chronischen problematischen Folgen zu schaffen bekommen, die mit einem einfachen Zeckenstich begannen.

Aus Erfahrung weiß ich, wie schockierend es ist, angezeigt zu werden bei der Justiz wegen Schulversäumnis, angezeigt zu werden von niederländischen Ärzten bei der Allgemeinen Meldepunkt Kindesmisshandlung (AMK), und in unserem Fall sogar unter die Aufsicht eines Vormunds gestellt zu werden. Es fordert Ohnamcht, Schmerze, Trauer und Wut heraus. als Eltern sind wir diejenigen, die jeden Tag unser Kinde leiden sehen unter den Auswirkungen der Lyme-Borreliose. Und nein, wir machen unser Kind nicht krank, wir reden ihm keine Krankheit ein, wir Eltern leiden nicht am von-Münchhausen-by-proxy-Syndrom (dessen ich beschuldigt wurde und ich wiederlegen konnte, nachdem ich mich psychisch untersuchen ließ). Unser Kind erlitt einen Zeckenbiss und ab diesem Moment ist es nie mehr gesund geworden.

Unser jetzt dreizehnjähriger Sohn wurde im Jahr 2007 während eines Urlaubs auf Kos (Griechenland) gebissen und entwickelte ein Erythema migrans (Wanderröte). Er wurde krank. Grippeähnliche Symptome und starke Kopfschmerzen kamen zusammen mit Gelenk- und Muskelschmerzen und ein seltsames Weh im Unterleib. Dann ließen die Schmerzen vorübergehend nach. Er konnte aufatmen und ging wieder zur Schule, fühlte sich aber nicht wirklich gut.

Einen Monat und ein paar Arzt- und Krankenhausbesuche später, bekommt er nachts krampfende und zuckende Beine, ihm ist schwindlig, er hat einen Pfeifton in den Ohren, schreckliche Kopfschmerzen, einen steifen Nacken und sieht nur noch verschwommen. Eine Krankenhausaufnahme folgt. In dieser Nacht wurde er vorübergehend gelähmt an seinen Beinen. Zu unserer Überraschung gibt es wenig Untersuchungen. Er bekommt Ruhe verordnet. Wir berichten mehrfach von dem roten Fleck auf seinem Oberarm, den er gehabt hat und fragen, ob sein Zustand damit in Zusammenhang stehen könnte. Das wird verneint. Von Lyme und den damit verbundenen Folgen wissen wir kaum etwas zu jener Zeit. Eine Lumbalpunktion, die wir mehrmals anfordern, wir nicht für notwendig erachtet, aber eine psychologische Untersuchung schon. wir sind völlig sprachlos. Das Ergebnis ist für unser Kind negativ: Er sei überdurchschnittlich verbal begabt, aber räumlich/visuell erziele er enttäuschend niedrige Resultate. Unser Kommentar, dasser schlecht sehen kann, ihm schwindlig ist und er einen steifen Nacken hat, findet kein Gehör und wird auch nicht mit dem Ergebnis verbunden. Es ist auch kein Grund für die Ärzte, eine Augenuntersuchung anzuordnen, stattdessen kommen sie zu der Diagnose: Schule/Lernprobleme. (Er hat übrigens ein Jahr später nach dem mündlichen Studientest ein vorwissenschaftliches Unterrichtsgutachten für die Sekundarschule bekommen). Es wurde uns gesagt, seine unbeweglichen Beine wollen uns Eltern etwas mitteilen, kurz gesagt, eine Konversionsstörung (Konversion = Umwandlung eines psychischen Konfliktes in körperliche Symptome, ohne dass ein organischer Befund dafür vorliegt.)

Nach einem Monat kann er ein wenig zu Fuß gehen und kommt an Heiligabend zurück nach Hause. Alle Drei hoffen, dass er sich erholen wird. Nichts davon bewahrheitet sich. Nach zwei Wochen hat er wieder krampfende und zuckende Beine. Die körperlichen Symptome verschlimmern sich. Kurzfristige Bells Palsy (Gesichtslähmung), aber keine medizinische Hilfe. Nur der Rat, so schnell wie möglich eine psychiatrische Behandlung anzufangen. Wieder folgt eine Krankenhausaufnahme, dieses Mal in ein anderes Krankenhaus. Wieder wird keine Untersuchung gemacht, die Schlussfolgerungen des ersten Krankenhauses werden einfach übernommen. Langsam erholen sich die krampfenden, zuckenden Beine. Entlassung folgt, körperliche Schmerzen, schlechte Sicht, Pfeifen in den Ohren und schreckliche Kopfschmerzen bleiben. Die Symptome verschlimmern sich mehr und mehr. Stechende Schmerzen in den Gelenken und sich verschlechterndes Sehen sind kein Anlasse für weitere Untersuchungen durch den Arzt. Er besteht weiterhin auf die psychologische Behandlung.

Inzwischen habe ich als Mutter Monate lang studiert. Medizinische Veröffentlichungen gelesen und mit mehreren führenden Instituten gesprochen. Das Bild der chronischen Lyme-Borreliose wird immer deutlicher. Eine Laboruntersuchung wäre notwendig. Die Ärzte weigern sich. Unsere Meldung, dass unser Sohn nicht mehr lesen kann, es sei denn, stark vergrößert, macht keinen Eindruck und wir auf die Konversionsstörung geschoben. Unser Kind fehlt immer öfter in der Schule. Der Schulpflichtbeamte wird informiert und ergreift Maßnahmen.

November 2008. Weil wir in den Niederlanden kein Gehör finden, fliehen wir mit unserem kranken Kind nach Deutschland. Dort findet aufgrund von klinischen und Laboruntersuchungen die Diagnose statt: Neuroborreliose im chronischen Stadium mit verschiedenen Zeckenbiss-Ko-Infektionen. Unsere deutschen Ärzte sind über die niederländische Verhaltensweise entsetzt.

Endlich kann die Behandlung beginnen. Als wir kurz vor Weihnachten heimkehren, liegt hinter der Haustür ein Umschlag vom niederländischen Arzt, dass man uns beim allgemeinen Meldepunkt Kindesmisshandlung gemeldet hat.

Fortsetzung folgt in den nächsten Tagen! Wer möchte, kann die Geschichte gerne kommentieren. Wer hat Ähnliches erlebt oder bei Anderen gesehen? Ist dies ein tragischer Einzelfall oder hat der Wahnsinn Methode? Siehe auch der Fall der Familie Heller!


5 Kommentare zu Chronische Borreliose – erschütternder Kampf einer Mutter um ihren Sohn – Teil 1

  1. Christiane H. meint:

    Mein Sohn wurde im Sommer 2008 von einer Zecke gebissen am Kopf, nur er hatte sie sich weggekratzt und die riesige Beule am Kopf die plötzlich da war war laut meines Arztes ein Abzess…..nach wochenlangen Kopfschmerzen drängt ich darauf hin das mein Kind in eine kinderklinik in Würzburg kommt….Dort sagte man ClusterKopfschmerz und seelische Probleme ….ich suchte die Schuld bei mir…als ich aus der Klinik entlassen wurde und gerade in unseren Hof reinfuhr sah ich meinen Sohn an und dachte na super und jetzt hat er nen Schlaganfall komplette Gesichtslähmung,schrecklich sofort wieder in die Klinik nun bestätigte sich die Borreliose zwei Wochen Antibiotika und die Ärzte sagten mir an der Uni Klinik Würzburg jetzt ist er wieder gesund…aber mein Kind wurde nie mehr gesund bis heute nicht…ich behandle es auf eigene Faust mit der Natur….da ich selber seit zwei Jahren an einer Borreliose erkrankt bin, was man mir aber auch erst nach einem Jahr zugestand und nach etlichen Blutproben…gleiche Schübe wie mein Sohn ..aber ich habe keine Hoffnung meh, dass es Ärzte gibt, die das wirklich ausheilen können oder wollen:-((
    MFG Christiane…

  2. Ute H. meint:

    Seit Sommer 2011 leidet mein 16 jähriger Sohn unter Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Taubheits- und Kribbelgefühle in den Händen und Füßen, Müdigkeit, Nacken-und Schulterschmerzen.
    Aufgrund der Symptome wurde ein Bluttest auf Borreliose vom Hausarzt gemacht. Ergebnis war von Gicht über Rheuma, psychologische Gründe alles vorhanden, aber auf gar keinen Fall Borreliose. Mit dem Ergebnis gab ich mich nicht zufrieden und so wurde mein Sohn in ein Krankenhaus stationär aufgenommen. Obwohl hier bei den Blutuntersuchungen positive Antikörper gegen Borreliose gefunden wurden, bestreitete man die Krankheit. Daraufhin wurde mein Sohn in die Uniklinik Mainz eingeliefert und auch hier kam man nicht zu einem Ergebnis. Diagnose: psychische Probleme. da immer noch keine Besserung in Sicht war und mein Sohn mittlerweile seit Wochen die Schule nicht mehr besuchen konnte, erneute Einweisung in ein Siegener Krankenhaus (Jung-Stilling), und siehe da: chronische Borreliose im II Stadium, 3 wöchige intravenöse Antibiotikatherapie.Ob damit die Krankheit besiegt werden konnte, bleibt abzuwarten, da die Borrelien bereits auf die Nervenbahnen übergegangen sind. Das Schuljahr muss er wiederholen. Ich bin unendlich enttäuscht, wie man von den Ärzten als Mutter alleingelassen wird.

    • Zeckenstich-Borreliose: Die verschwiegene Epidemie - 9 LEBEN Verlag meint:

      Liebe Frau H.
      vielen Dank für Ihren Bericht, auch wenn er einen traurig stimmt. Ihrem Sohn seien nun feste die Daumen gedrückt, dass er es gesundheitlich nun schafft.
      Alles Gute für ihn! :-)

  3. Alice Hulscher meint:

    Liebe Frau Christiane H. und Frau Ute H.,
    erst jetzt lese ich die kommentare zu Der Mauern. Es tut mich ja schrecklich leid sie erst jetzt zu lesen. Ich bitte die Frau Buschbach meine E-mail adresse an sie zu vermitteln. Es gibt schon weiteres in der geschichte von meiner sohon Joshua. Uber mail schicke ich gerne weitere Infos. Leider war ich noch nicht in die Lage die andere sachen zu Uebersetzen. Wie sie wissen hat rundum die Uhr Arbeit wenn ein Kind so schwer an Borreliose Erkrankt ist.
    Ich wunsche die Kindern und Sie als Eltern viel Kraft und gesundheit.

    Aus Amsterdam Grusst Sie von ganzer Herzen,

    Alice Hulscher

  4. Selina Letsch meint:

    http://borreliose.weebly.com

    Bitte helft mir ! Gemeinsam können wir etwas bewirken

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